Kein fiktives Hotline-Gespräch mit dem Acer-Support anlässlich meines defekten Notebooks (Achtung, das Gespräch war etwas länger. Gekürzte Version.)

Ich: Guten Tag, hier spricht Greisle, es geht um die Reparatur-Nr. XYZ
Acer: Guten Tag, wie kann ich Ihnen helfen?

Ich: Sie haben mein Notebook gerade bei sich zur Reparatur. Leider ist jetzt auch die Festplatte dazu defekt.
Acer: Was ist denn defekt?

Ich: Nun, die Platte ist in einem externen Gehäuse und läuft nicht mehr an. Andere Platten funktionieren in dem Gehäuse, also ist dieses in Ordnung. Ergo kann nur die Platte defekt sein.
Acer: Können Sie das Problem bitte genauer beschreiben?

Ich: Äh. Also. Die Platte läuft nicht mehr an, tut keinen Mucks.
Acer: So kann ich das nicht aufnehmen.

Etwas unproduktives und nervtötendes hin und her, abgekürzt.

Acer:Schalten Sie doch mal Ihr Notebook ein und drücken Sie gleich danach die F2-Taste und sagen Sie mir, was dort steht.
Ich: Hallo? Wie ich zu Anfang sagte ist das Notebook bei Ihnen zur Reparatur. Reparaturnummer XYZ. Sie erinnern sich?
Acer: Ach ja, stimmt.

Ich: Wie machen wir jetzt weiter? Ich brauche das Notebook mit funktionierender Platte schnellstmöglich wieder. Ich verdiene damit mein Geld.
Acer: Also, ja.

Ich: Vorschlag: Sie reparieren das Notebook ja sowieso so schnell wie möglich, stecken Sie doch einfach noch eine neue Festplatte rein. Ich schicke Ihnen die defekte morgen per Postpaket zu.
Acer: Nein das geht nicht.
Ich: Wieso?
Acer: Machen wir nicht.

Ich: Ich habe hier einen teuren Support-Zusatzvertrag abgeschlossen, der mir Flexibilität und bevorzugte Behandlung verspricht. Wir reden hier ja nicht um einen MediaMarkt-Kunden, sondern über einen Firmenkunden.
Acer: Das darf ich nicht. Bei Notebooks machen wir keine Vorleistungen.
Ich: Gut, das kann ich verstehen, wenn das Ihre Kompetenzen übersteigt. Wer kann das dann entscheiden?
Acer: Niemand.

Wundere mich, dass ich immer noch höflich bin.

Ich: Also sehen Sie, ich habe hier kurzfristig zwei neue Notebooks und nächstes Jahr nochmals drei neue Notebooks zu bestellen (Anmerkung: Das ist so). Acer ist im Moment noch Favorit. Keine billigen übrigends, wir reden hier um ca. 10000 Euro. Die Festplatte hat vielleicht einen Wert von 50 Euro EK bei Acer, wenn überhaupt so hoch.
Acer: Das ist egal.
Ich: Verbinden Sie mich bitte mit Ihrem Teamleiter. Kein Vorwurf an Sie, aber das bringt uns jetzt nicht weiter.
Acer: Es gibt keinen, kann Sie nicht verbinden.

Hin und her, noch “intensiver” werdend, die Leute in der Bahn-Lounge lauschen inzwischen interessiert.

Acer: Also gut. Hier haben Sie eine Durchwahl zur Zentrale, rufen Sie bitte bei meinem Chef Herrn B an.

Hin und her, mit der Telefonzentrale, die die Anweisung hat, niemanden zu irgend jemanden durchzustellen. Irgendwann doch erfolgreich.

Ich: Guten Tag. Ihr Mitarbeiter Herr A hat mir Ihren Namen gegeben, es geht um den Supportfall XYZ
Acer-Chef: Guten Tag. Wie kann ich Ihnen dabei helfen.

Den ganzen obigen Käse nochmals in allen Einzelheiten durchgekaut.

Acer-Chef: Ich verstehe, dass Sie sauer sind…
Ich: Das ist gar kein Ausdruck
Acer-Chef: ...aber ich kann nichts für Sie tun.

Ich: Also sehen Sie, ich habe hier kurzfristig zwei neue Notebooks und nächstes Jahr nochmals drei neue Notebooks zu bestellen (Anmerkung: Das ist so). Acer ist im Moment noch Favorit. Keine billigen übrigends, wir reden hier um ca. 10000 Euro.
Acer-Chef: Was hat das mit dem Support-Fall zu tun?
Ich: Bitte? Wenn ich neue Geräte kaufe, erwarte ich einen problemlosen und im Zweifelsfall auch kulanten Support, wir sind hier ja nicht im Home-Sektor sondern reden über professionelle Kunden. Da erwarte ich Professionalität. Und die kann ich im Moment nicht so richtig erkennen.
Acer-Chef: Wir sind schon kulant. Vor allem im Vergleich zu unserem Wettbewerb.

Ich: Den Beweis sind Sie bisher schuldig geblieben. Wir reden hier um einen Wert von vielleicht 50 Euro.
Acer-Chef: Das sind sicher mehr als 50 Euro. Zur Hardware kommen ja noch die ganzen Handlingkosten.

Ich: Da ich den Eindruck habe, dass wir uns hier im Kreis drehen: Gibt es jemand, der die Entscheidung über 50 Euro + Handlingkosten Kulanz in Anbetracht der zu erwartenden Kaufentscheidung treffen kann?
Acer-Chef: Nein. Das ist eine Anweisung der Geschäftsleitung. Keine Vorableistungen bei Notebooks.
Ich: Auch dann, wenn das Notebook sich ohnehin in Ihren Händen befindet?
Acer-Chef: Auch dann.

Ich: Verstehe. Dann treffen Sie also jetzt die bewusste Entscheidung, wegen 50 Euro Kostenrisiko, das nicht eintreten wird, auf 10.000 Euro Umsatz zu verzichten?
Acer-Chef: Wenn Sie das so sehen, ja.

Ich: Sie können ja auch nichts dafür. Ist aber schon ein seltsamer Entscheidungsrahmen, den Sie da haben.

Zur “Ehrenrettung” des Acer-Chefs: Er hat dann doch noch Kulanz gezeigt. Ich darf die defekte Festplatte kostenlos zurück schicken und bekomme danach eine neue.

Ist, wurde extra betont, wirklich eine Ausnahme. Geht normal nämlich nur für Komplettgeräte. Mein Notebook konnte ich ohne Diskussion kostenlos zurück schicken. Preisfrage: Wer erkennt den Widerspruch…

Zunächst ein grosses, ehrlich gemeintes Kompliment an die Geschäftsleitung von Acer: Ihr Laden spurt, Ihre Mitarbeiter haben Sie super im Griff. Respekt für diese Personalführung. Die Loyalität zur Firma und zu Anweisungen der Geschäftleitung geht sehr, sehr weit bei Ihnen.

Sollten Sie trotzdem das Gefühl haben, dass hier irgend etwas falsch gelaufen ist, dann stehe ich Ihnen gerne beratend zur Verfügung. Sicher können wir uns hier auf einen Tagessatz einigen, welcher die zukünftigen Potenziale bei der Umsetzung der Beratungsergebnisse in angemessenem Umfang honoriert.

Es gibt viele Möglichkeiten, Kunden an sich zu binden. Und das wäre manchmal sooo einfach…

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Geschrieben von Alexander Greisle am 5. Dezember 2005, Lizenz
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