Bürokratische Auswüchse

Schöner Beitrag von Jens Uehlecke in der ZEIT: “Fallstricke für Mitarbeiter. Wie hausinterne Vorschriften von Unternehmen verhindern, dass die Angestellten ihre Arbeit tun.”:http://zeus.zeit.de/text/2006/02/B_9frokratie

Einige Auszüge:

bq. “In einer großen Bank in Frankfurt etwa gilt das eiserne Gebot: Du sollst nicht mehr als zehn Stunden täglich arbeiten! Daran müssen sich auch die Mitarbeiter halten, die an Projekten arbeiten und deshalb mal länger bleiben. Damit die Zehn-Stunden-Regel trotzdem befolgt wird, benachrichtigt die Stechuhr die Personalabteilung, sobald sich jemand zu spät »aussticht«. Am nächsten Tag tütet ein Kollege der Personalabteilung einen Fragebogen ein, in dem der Betreffende darlegen soll, was er denn so lange im Büro getrieben habe. »Am liebsten würde ich zurückschreiben: Ich bin gestern nur deshalb 24 Minuten länger geblieben, weil ich erklären musste, warum ich vorgestern 24 Minuten länger geblieben bin«, sagt ein Angestellter. Wie die meisten Kollegen hetze er kurz vor Ende der Frist zur Stechuhr um dann unbehelligt weiterarbeiten zu können.”

bq. “Ein großer Autokonzern bat kürzlich gegen Abend einen externen Berater, seine Vorschläge zur Stressreduktion bis zum nächsten Morgen um elf einzureichen. Der zuständige Arbeitskreis wolle darüber entscheiden. Der Berater legte eine Nachtschicht ein, schickte seine Empfehlungen rechtzeitig ab und hakte nachmittags noch einmal telefonisch nach. »Angekommen ist alles, aber ich konnte das nicht weiterleiten – wegen der Tippfehler«, sagte die Mitarbeiterin der Personalabteilung, die ihn beauftragt hatte. Aber es sei doch ein Word-Dokument gewesen, warum sie die Fehler nicht schnell korrigiert habe? »Dafür ist hier eine andere Abteilung zuständig.«”

bq. “Bei einem westdeutschen Chemiekonzern hatte ein Mitarbeiter kürzlich die Idee, zehn alte Computer nicht zu entsorgen, sondern einer Schule zu spenden. Immerhin waren sie noch gut genug zum Tippen und Internet-Surfen. Der Abteilungsleiter war einverstanden, nur die Buchhalterin protestierte: »Wenn ich die Computer als Spende ausbuche, ergibt sich in der Bilanz ein Verlust von 800 Euro. Schmeißen wir sie weg, sind es nur 500.« Schließlich erklärte sich die Schule bereit, die Differenz von 300 Euro zu bezahlen. Doch wieder regte sich die Buchhalterin: »Wir haben doch kein Konto, auf das wir das Geld buchen könnten.«”

(c) “DIE ZEIT 05.01.2006 Nr.2″:http://zeus.zeit.de/text/2006/02/B_9frokratie

Typische Beispiele von Bürokratie, wo weniger mehr ist. Hier wird Zeit und Aufwand von vielen Mitarbeitern regelrecht verbraten. Dieser könnte auch dafür genutzt werden, die Verbesserungen und Innovationen anzustossen, die das Unternehmen als Ganzes voran bringen.


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