E-Mail: Stimme im Kopf vs. getipptes Wort

Ist es Ihnen auch schon passiert? Eine E-Mail wird vom Leser anders verstanden als sie gemeint war. Ärgerlich und manchmal mit einigem Aufwand verbunden, das wieder gerade zu rücken.

Mehrere Studien (Zitation siehe unten) mit Studenten hat jetzt gezeigt, dass gerade einmal die Hälfte der Empfänger eine Mail so versteht, wie sie vom Absender gemeint ist. Die Autoren der Studie, “Justin Kruger”:http://w4.stern.nyu.edu/faculty/facultyindex.cgi?id=370 und “Nicholas Epley”:http://gsbwww.uchicago.edu/fac/nicholas.epley/, interpretieren das auf Basis ihrer Studien so:

bq. “We reasoned that when people try to anticipate the perspective of their e-mail audience, they focus excessively on their own phenomenology or experience and insufficiently consider the audience’s perspective.”

Man hat also die eigene Betonung der geschriebenen Sätze im Kopf. Da das Medium E-Mail diese nonverbaren Informationen nicht überträgt, kommt beim Gegenüber reine Textinformation an, welche dieser dann wiederum mit seiner Betonung liest. Da aber “der Ton die Musik macht”, sind Mißverständnisse vorprogrammiert.

Das ist bei witzig gemeinten oder sarkatischen Texten, aber noch mehr bei ernster, geschäftlicher Kommunikation ein Problem. Gerade hier kommt es häufig auf Kleinigkeiten an, soll möglichst geringer Interpretationsspielraum bestehen. Die Experimente zeigen auch, dass die Verfasser ihre Fähigkeiten, das nonverbale doch textlich ausdrücken zu können, stark überschätzen.

Wenn Sie mögen, achten Sie bei der nächsten E-Mail auf die Betonungen in Ihrem Kopf. Mir geht es so. Auch beim Schreiben von Blog-Beiträgen.

Zitation: Kruger, Justin; Epley, Nicholas; Parker, Jason; Ng, Zhi-Wen: Egocentrism over e-mail: Can we communicate as well as we think? in: Journal of Personality and Social Psychology. 89(6), Dec 2005, 925-936.

“Download des Originalartikels”:http://gsbwww.uchicago.edu/fac/nicholas.epley/Krugeretal05.pdf beim Autor (pdf, 290 KB)
Aufmerksam geworden bei “Telepolis”:http://www.heise.de/tp/r4/artikel/22/22167/1.html


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