Gerade lese ich bei der “Computerwoche”:http://www.computerwoche.de/nachrichten/574244/ eine Nachricht über die Entwicklung und den ersten Einsatz von Technologien, die unterschiedliche Serviceklassen für das Internet ermöglichen. Im Beitrag “Voice over IP: Trafficblockade”:http://www.work-innovation.de/blog/2005/11/18/voice-over-ip-trafficblockade/ hatte ich mich im letzten Jahr schon aus einem anderen Blickwinkel kritisch zu diesen Technologien geäussert. Warum ich das kritisch sehe? Durch neue Aktivitäten wird die Kluft zwischen den “Information Rich und Information Poor”:http://www.politik-digital.de/edemocracy/netzkampagnen/politdim.shtml noch weiter aufgehen.
Jetzt kommen neue Ideen, die dem ganzen eine Art “Sinn” geben – zumindest aus Sicht der Provider. Da die kostenlose Telefonie über das Internet und der hohe Traffic durch Tauschbörsen deren Kalkulation durcheinander bringt, ist man froh über die Möglichkeit, hier ein paar Cent dazu verdienen zu können.
bq. “‘Der kanadische Provider Shawcable’, so berichtet Peder Jungck, Gründer und CTO von CloudShield Technologies, ‘verlangt von ihren Kunden zehn Dollar extra, wenn sie VoIP-Dienste wie Skype nutzen wollen’.” (Quelle: “Computerwoche”:http://www.computerwoche.de/nachrichten/574244/)
“CloudShield”:http://www.cloudshield.com/ ist übrigends ein Hersteller von Technologien, die solche Serviceklassen ermöglichen.
Im Endeffekt wird die Zugänglichkeit von Internet-Diensten eingeschränkt und zunehmend von der sozialen Schicht abhängig werden. Das ist schlecht zum Beispiel für die Bildung in weniger vermögenden Schichten und damit für die Informationsgesellschaft im ganzen. Aber auch für die Internet-Wirschaft und die Anbieter von Web-Diensten: Mal sehen, wie die Amazons, eBays und Music-Stores dieser Welt reagieren, wenn sie Kunden mangels ausreichend schnellem Zugang verlieren werden. Kaum wehren können sich hingegen die einzelnen betroffenen Kunden.
Denn einfach “dann halt nicht Kunde zu sein” löst nicht das Problem, sondern ist inhärenter Bestandteil.
Die Zusammenfassung der Computerwoche:
bq. “Langfristig, glaubt Jungck, wird die Entwicklung im Internet sowieso hin zu verschiedenen Serviceklassen gehen: ‘Es wird dann noch immer das kostenlose Internet von heute geben, aber ohne vernünftige Bandbreiten oder Quality of Services’. Wer mehr will, muss dann, ähnlich wie bei den MPLS-Netzen für Business-Kunden, eine höhere, kostenpflichtige Serviceklasse buchen, um weiter via Internet telefonieren zu können. Eine Meinung, mit der Jungck nicht alleine ist. Sie ist in letzter Zeit häufiger in Gesprächen mit Branchenexperten zu hören.”
(Quelle: “Computerwoche”:http://www.computerwoche.de/nachrichten/574244/)
Kommt das so, dann steuern wir auf eine Mehrklassen-Gesellschaft im Internet zu. Neben dem heute schon real exisiterenden Problem der Kluft im Wissen und Können bezüglich der neuen Technologien kommt dann eine weitere Dimension: Durch wirtschaftliche Zwänge wird die Chancengleichheit zusätzlich eingeschränkt. Daher ist das einer der wenigen Bereiche, in denen ich der Politik eine zentrale Rolle zuweisen würde. Das Internet wird immer mehr zu einer Versorgungsaufgabe wie Strom oder die Verkehrsinfrastruktur. Die skizzierten Aktivitäten laufen dem zuwider.
Update 09. April 2006: Daniela Baumann berichtet auf “Business World”:http://www.businessworld.de/2006/04/07/it-branche-furchtet-internet-gebuhren/ gerade darüber, dass Telekom-Chef Ricke diese Diskussion nach Deutschland bringt. Und über einige Stimmen mit guten Argumenten gegen diese Ideen.
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