Fernbeziehungen boomen. War es früher vielleicht mal der Monteur auf Montage, so sind heute Menschen aller Gesellschaftsschichten davon betroffen: Handwerker aus dem Osten Deutschlands, Soldaten und Helfer im Ausland, die Bonner Beamtin in Berlin, der Unternehmensberater in wechselndem Einsatz beim Kunden, die Ehefrau in einer Weiterbildungsphase und so weiter. Entsprechend vielfältig sind die Motive: Vom Broterwerb über den Spaß am Nomadendasein bis hin zur persönichen Weiterentwicklung.

“Ob freiwillig oder unfreiwillig – immer mehr Menschen nehmen für ihre berufliche Selbstverwirklichung eine Fernbeziehung in Kauf. Als Kollateralschaden sozusagen. Experten schätzen, dass in Deutschland jede siebte Beziehung eine Fernbeziehung ist, das sind rund vier Millionen Paare.

Unter Akademikern ist der Anteil besonders hoch: Jedes vierte Paar führt – zumindest für einige Jahre – eine Wochenendbeziehung. In den USA liegen die Zahlen sogar noch höher: 75 Prozent der Collegestudenten lieben, wenigstens für eine gewisse Zeit, auf Distanz.” (Quelle: Süddeutsche Zeitung Online vom 25.03.2006)

Was mir an dem Gedanken gefällt: Jeder kann seine Ziele verfolgen – im gegeseitigen Einverständnis. Und trotzdem gestaltet man die gemeinsame Beziehung. Halt anders und mit hoher Wahrscheinlichkeit viel intensiver. Und klar, mit einigen Einschränkungen die nicht so angenehm sind. Eine Frage der Prioritäten. Und niemand sagt, dass ein solcher Zustand dauerhaft sein muß – Prioritäten ändern sich. Aus eigener erlebter, und wieder kommender, Erfahrung kann ich sagen, dass eine Beziehung dadurch sogar sehr gestärkt hervorgehen kann.

Zu beobachten ist, dass diese Lebensweise – selbst wenn sie nur temporär ist – in der Bevölkerung noch nicht angekommen ist. Das merkt man bei den Diskussionen am Kaffeetisch, und selbst unter Soziologen gilt diese Form des Zusammenlebens, laut dem oben zitierten Artikel, noch als unkonventionell.

Wie gestaltet man nun ene Fernbeziehung? Spannende Frage ohne Musterlösung. Im Text Fern-Beziehung und Wochenendbeziehung – Chancen und Belastungen für die Partnerschaft gibt Peter Wendl nützliche Tipps und Einblicke.

Ohne bei diesem Thema ins technische abdriften zu lassen oder die Technik gar als Lösungsszenario anbieten zu wollen: Dinge wie VoIP/Skype, Video”konferenzen”, mobile Breitbandzugänge, Instant Messaging etc. bekommen ein interessantes neues Einsatzfeld. Sie helfen – wenn auch nur als sehr, sehr schwacher Ersatz – beim Führen der Fernbeziehung. Es wird über vielfältige Wege einfacher, miteinander zu reden. Gerade über die Distanzen hinweg. Und das miteinander Reden, gerade in der Trennungszeit, ist einer der entscheidenen Erfolgsfaktoren.

Übrigends, Studien haben ergeben, dass Fernbeziehungen nicht instabiler sind als die heute noch traditionellen. Gregory Guldner hat in einer Studie herausgefunden, dass in beiden Gruppen die Trennungsquote bei etwa 40 % liegt.

Weiterlesen: , ,
Geschrieben von Alexander Greisle am 22. April 2006, Lizenz
Details/Permalink | Trackback URL | per E-Mail versenden |  | Drucken | Diskussion (6)