Flächendeckendes WLAN in Singapur
Die NZZ berichtet über die Pläne Singapurs, eine flächendeckende Versorgung mit einem breitbandigen Wireless-Netzwerk zu versorgen. Hintergrund ist die Erkenntnis, dass Singapur als Land ohne Rohstoffe auf das Wissen seiner Menschen angewiesen ist, um weiterhin erfolgreich zu sein.
“Gemäss Leong Keng Thai galt immer das Prinzip, dass die Infrastruktur des Landes nie Engpässe aufweisen sollte, die das Wirtschaftswachstum behindern.”
(Quelle: NZZ)
Ein Satz über den es lohnt, einen Moment nachzudenken. Insbesondere im Zusammenhang mit der Informationsinfrastruktur.
Techologisch soll das Netz in Singapur mit dem hundertfachen der heutigen Übertragungsleistungen an den Start gehen. Natürlich kann man kritisch fragen, ob es denn ein solcher “technologischer Overkill” sein muß. Darauf hat Leong Keng Thai, Leiter der Infocomm Development Authority, eine klare Meinung:
“Die Grenzen der Informationstechnologie seien heute in erster Linie in den Köpfen der Menschen auszumachen. Seine Aufgabe sei es, sicherzustellen, dass es auf dem Spielplatz der Kommunikation keine Engpässe gebe.” (Quelle: ebenda)
Weitere Informationen zu Singapurs Next Generation National Broadband Network (Next Gen NBN): http://www.ida.gov.sg/idaweb/broadband/index.jsp
Weiterlesen: Informationsinfrastruktur, Ubiquitous Computing, Asien, Informationslogistik, Mobiles Arbeiten, Zukunftstrends
Geschrieben von Alexander Greisle am 3. Mai 2006, Lizenz
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Ihr Kommentar zu diesem Beitrag:
ob sie sich da mal nicht ein Ei legen, die Singapurianer…
Das Regierungssystem dort, daß sich “Erziehungsdemokratie” nennt, wird bei so offenen Kommunikationsmöglichkeiten das System gut zum Wanken bringen, spätestens, wenn es den Menschen mal nicht mehr so gut geht.
In den 6 Wochen, die ich dort verbrachte vielen mir unter anderem auf:
Vor kurzem waren dort Wahlen (Einparteiensystem), wobei die Regierung die dortigen Blogger angewiesen hat nicht über die Wahl und brisante Themen zu bloggen, um keine “falsche Meinungsbildung” zu erzeugen.
Meine Prognose für Singapur:
Keine Frage, Licht und Schatten. Das politische System kann man durchaus kritisch sehen, insbesondere die nicht vorhandene Informationsfreiheit.
Was ja aber nicht bedeutet, dass wir uns auf spezifischen Feldern deswegen abhängen lassen sollten. Und der skizzierte Ansatz für die Informationsinfrastruktur könnte sich, wenn er dann mal realisiert ist, durchaus als Wettbewerbsvorteil für Singapur herausstellen.
Da stimme ich natürlich zu, allerdings hat hier Singapur einen eindeutigen topographischen Vorteil.
Als Stadtstaat mit einer der höchsten Bevölkerungsdichten überhaupt ist eine WLAN-Abdeckung natürlich deutlich einfacher zu bewältigen, als in einem Flächenstaat.
Als ich vor 7 Jahren dort mit einem Ingenieur zu tun hatte nutzte dieser einen PDA, der ihn automatisch mit Emails versorgte, ähnlich den heutigen Blackberries. Ich fragte ihn, wie denn die Technologie dahinter funktioniere, welches Netz er dafür nutze, etc.
Er sagte nur, er wüßte es nicht aber es funktioniert, daß er vollen Zugriff fast überall in der Stadt auf seine Emails hat.
So muß Technologie ermöglicht werden, daß man nicht verstehen muß, wie etwas funktioniert, sondern, daß es “einfach” geht.
Daß WLAN bei uns noch nicht einfach genug ist, merkt man z.B. daran, daß es noch immer Firmen (Ärzte, Rechtsanwälte, etc.) gibt, die offene WLAN-Netze mit Vollzugriff auf die Firmenrechner betreiben.
110 % einer Meinung was die Benutzerfreundlichkeit betrifft. Da ist man noch meilenweit von einem benutzerfreundlichen Standard entfernt. Ich bin aber zuversichtlich, dass auch das kommen wird. Im Moment ist der Fokus einfach noch zu stark auf den Basistechnologien.
Natürlich haben wir bei uns deutlich mehr Fläche zu versorgen. Die Frage wäre, ob man eine geeignete Organisationsform und sinnvolle Betreibermodelle dafür findet. Ich denke, wir brauchen keine 100 %ige Flächenabdeckung bzw. können diese über die unterschiedlichen Netze bis runter zu GPRS weitestgehend herstellen. Ob dann komplett kostenlos ist eine noch zu diskutierende Frage. Natürlich muß man dazu die technischen Rahmenbedingungen, wie z.B. Roaming und die Konvergenz der Netze, benutzerfreundlich hin bekommen.
Nichts desto trotz könnte die eine oder andere Stadt schon mal den Anfang machen und sich so einen Standortvorteil verschaffen.
Eine andere interessante Frage wäre, wie bereit die Menschen bei uns für ein solches Szenario sind. Die Möglichkeit zu haben und es dann tatsächlich zu Nutzen sind ja bekannter Maßen zwei paar Stiefel.