Persönliche Datenspuren im Internet
Googlability. So bezeichnet man in Anlehnung an die Employability, also die Beschäftigungsfähigkeit, den Ruf, den man im Internet hat. Wie? Kann man im Internet einen Ruf haben? Man kann, sogar für jeden weltweit zugänglich.
In Jo’s Jobwelt wird ausführlich darauf eingegangen. Im zugehörigen Experimentierblog Fakeman gibts eine umfangreiche Sammlung von Links, die die Suche nach persönlichen Informationen ermöglichen. Vor einiger Zeit hatte ich mir im digitallife Blog ebenfalls schon einige Gedanken dazu gemacht.
Die Recherchemöglichkeiten sind so vielfältig. Von ZoomInfo.com über Stalkerati bis hin zu TVEyes. Social Networks wie das (mit neuem, Augenbrennen verursachenden, Design relaunchte) OpenBC/Xing und MySpace liefern weitere persönliche Daten.
Der Cache von Google und die WayBackMachine sorgen darüber hinaus dafür, dass gelöschte Daten dauerhaft archiviert und recherchierbar sind.
Hat man erst mal die Adresse herausgefunden, dann lässt sich mit Hilfe zum Beispiel von Google Maps auch noch prima das Wohnumfeld des Recherchierten mit hoher Detailtreue analysieren. Mit den Wunschzetteln von Amazon lassen sich wunderbar Informationen über Hobbies und Lesepräferenzen einer Person gewinnen. Und dabei geht es nicht nur um Informationen, die man selbst eingestellt hat. Viel interessanter ist, was andere über einen schreiben. Passiert nicht? Passiert.
Weiter gehts: Findet man den oder die Nickname einer Person heraus, die Präferenzen kennt man ja schon, erschliessen sich weitere Quellen. Foren, Bilddienste wie flickr, Linksammlungen wie del.icio.us oder Mister Wong lassen weitere Rückschlüsse auf Interessen, Privates und Verhalten zu.
Gibt es Überschneidungen? Unstimmigkeiten? Auffälligkeiten? Passt die fachliche Eignung? (Schlechte) Referenzen? Stimmigkeit von gedrucken Bewerbungsunterlagen? Verhaltensweisen? Und so weiter…
Mit ein paar, für jeden zugänglichen, Werkzeugen und etwas Zeit lässt sich heute schon ein umfassendes Profil einer Person erstellen. Meine Prognose ist, dass es nicht mehr lange dauert, bis einschlägige intelligente Dienste zur Integration all dieser Werkzeuge auch öffentlich verfügbar sind. ZoomInfo und Stalkerati vermittelt einen ersten, noch relativ schüchternen Eindruck.
Was tun dagegen? Neue Strategien sind gefragt. Von der Totalverweigerung des Internets bis hin zur gezielten Informationsüberflutung reicht das Spektrum möglicher Strategien.
Schwierig. Konkrete Empfehlungen, mit denen Sie sofort anfangen können:
- Schärfen des Bewußt-seins. Achten Sie ab heute darauf, was Sie wo öffentlich kund tun.
- Natürlich kann man das auch gezielt nutzen und gewollte Informationen streuen.
- Durchforsten Sie mal das Internet, machen Sie sich ein Bild von Ihrem öffentlichen Internet-Leumund.
- Antworten haben. Sie sollten wissen und erklären können, warum ein schwarzer Fleck so ist wie er ist.
- Regelmässige Imagepflege. Überprüfen Sie regelmässig, stellen Sie Informationen gezielt ins Netz, antworten Sie, stellen Sie richtig. Offene Lernfähigkeit ist eine sehr positive Eigenschaft und kommt an.
Kann die Konsequenz sein, sich aus dem Internet zurück zu ziehen? Neue Dienste nicht zu nutzen? Ich glaube nicht. Zu vielfältig und zu nützlich sind die Möglichkeiten. Kids von heute wachsen selbstverständlich mit den Möglichkeiten des Internets auf. Und bei allen Gefahren: Der Nutzen überwiegt. Konsequenz: Mit dem nötigen Fingerspitzengefühl die neuen Möglichkeiten nutzen.
“Bevor Sie also etwas im Netz veröffentlichen, stellen Sie sich die Frage: Würde ich neben diesem Text mit meinem Namen und Bild auch in der Zeitung stehen wollen?
Ist die Antwort Nein – löschen Sie es!” (Quelle: Reiner Fakeman)
Es ist sehr ratsam – nicht zuletzt aus Gründen der Employability und der Authentizität – auf seinen Ruf im Internet zu achten. Machen Sie doch mal den Test für sich. Was findet man über Sie bei Google und Co.? Haben Sie die richtigen Antworten darauf?
Weiterlesen: Privatsphäre, eDemocracy, Datenschutz, Verhaltensweisen, Social Internet, Google
Geschrieben von Alexander Greisle am 20. November 2006, Lizenz
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 Google hilft beim Leben, umfassend
Antworten und Kommentare:
Erwähnung in anderen Blogs bzw. Beiträgen:
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Sven Lehmann am 20.11.2006 um 15:25 Uhr:
Kleine grüne Krokodile fressen Daten…
Sie fangen Daten ab, lassen E-Mails erst nach Tagen ankommen oder fressen sie gleich ganz. Persönliche Datenspuren im Internet … und welche Strategie haben Sie?! Kleine grüne Krokodile, die Daten fressen und nie satt werden….
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Glückwunsch! Du bist unsterblich in der Matrix 2.0 am 16.10.2007 um 10:51 Uhr:
[...] Spiegel Online spricht von der schönen neuen Welt (nein, nicht Second Life) in der man Straftäter auf Knopfdruck findet und die Netzeitung schreibt in "Sie lesen deine Daten" über die Gefahren, welche durch den globalen Web 2.0-Taumel entstehen. Tatsächlich rückt das nur sehr schwer greifbare Thema durch Diskussionen um die Privatsphäre, Recht auf Selbstbestimmung, Onlinedurchsuchungen, Videoüberwachung, Biometrische Datenerfassung, Datenspuren usw. immer weiter in das Bewusstsein der Gesellschaft vor. Das Experiment mit unserer fiktiven Produktmanagerin Laura Slash hat uns jedenfalls 14 Wochen lang gezeigt: Es dauert 30 Minuten um die Datenmatrix zu betreten und du wirst noch drin sein, wenn du nicht mehr existierst. Es sei denn jemand zieht den Stecker. Social Bookmarks Diese Icons verzweigen auf soziale Netzwerke bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können. [...]
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