Wissen für die Wissensarbeit als Schlüssel zu Innovation und Wachstum

Heute hatte ich das große Vergnügen an einer Veranstaltung teilnehmen zu dürfen, die sich das Thema “Wissensarbeit als Schlüssel zu Innovation und Wachstum” auf die Fahnen geschrieben hat. Geschrieben habe ich auch, nämlich unerwartet viele Zettel voll mit Notizen und Anregungen. Und einen unerwartet langen Beitrag dazu:

Im Audi Forum in Ingolstadt hat Microsoft mit dieser Veranstaltung die neue “IT-Fitness-Initiative” vorgestellt. Kurz zum Namedropping: Die Liste der Referenten war prominent bestückt, unter anderem mit Bill Gates (interessant, ihn mal live zu erleben und den Hype um seine Person zu sehen), Fraunhofer-Präsident Prof. Bullinger und Staatssekretärin Dagmar Wöhrl. Partner der Initiative sind unter anderem der Zentralverband des deutschen Handwerks, die Bitkom und Cisco.

Unter dem etwas altbackenen Titel “IT-Fitness-Initiative” (den ich für dieses Ziel gar nicht so ungeschickt finde) geht es darum, das Wissen über das Schlüsselwerkzeug “IT” in der Breite der Bevölkerung zu etablieren. Folgt man der Meinung, dass wir uns über Wissen in der globalen Wirtschaft abgrenzen können, dann sind Kompetenzen in der Nutzung der neuen IT-Werkzeuge zur Wissensarbeit ein Schlüsselelement. Wie das Internet das tägliche Leben verändert, kann sicher jeder Leser an der eigenen Person nachvollziehen. Von der Kommunikation über das Treffen von (Kauf-)Entscheidungen bis hin zur Arbeitsweise.

Während der Veranstaltung wurde viel über Technologien gesprochen und darüber, dass Software ein “Key-Tool” für Wissensarbeit ist. Meine bescheidene Meinung dazu: Ja, aber. Das mehr an Werkzeug muss mit einer fundierten methodischen Ausbildung begleitet werden. Das zeigt die “Information Worker Performance Studie”:http://www.work-innovation.de/blog/2006/11/02/gedanken-zum-information-overload/, die hier im Blog schon häufiger ein Thema war: Ohne Bewußtsein über die Möglichkeiten und ohne methodische Kompetenz ist eine effiziente Nutzung unwahrscheinlich.

Es geht, so die einhellige Aussage, nicht zuletzt um die neudeutsche Employability. Also die Beschäftigungsfähigkeit der Menschen. Denn wir in unserer vergleichsweise hoch entwickelten und kostenintensiven westlichen Welt können uns auf Dauer nur behaupten, wenn wir unseren Wissensvorsprung behalten. Und, so Prof. Bullinger, wenn wir die Wissensgebiete deutlich stärker vernetzen um so neue Produkte und Lösungen schaffen.

Noch habe ich nicht alle Gedanken und Notizen sortiert. Daher werde ich in den nächsten Tagen den einen oder anderen Gedanken detaillierter aufgreifen. Für diesen Moment soll ein kurzer doch länger sehr lang gewordener Rundflug über die Veranstaltung reichen.

Dagmar Wöhrl wies auf den bekannten Umstand hin, dass die Nachfrage nach qualifizierten Mitarbeitern trotz aller Arbeitslosenzahlen in Deutschlang höher ist als das Angebot. Angesichts des “Wettbewerbsfaktors Wissen” ein untragbarer Zustand. Die Aufgabe ist daher, schon sehr früh, spätestens in der Grundschule, das Interesse an der IT zu wecken (bevor an dieser Stelle ein Aufschrei kommt, ich werde später noch einiges dazu schreiben). Es wäre an der Zeit, so Frau Wöhrl, eine Wissensbilanz für Deutschland zu ziehen. Sehr gute Idee. Fangen Sie einfach an, Frau Wöhrl.

Abschliessend betonte Staatssekretärin Wöhrl, dass wir in Deutschland eine neue Gründerkultur mit Mut und Risikobereitschaft bräuchten, die mit ausreichend Kapital unterstützt wird. Damit wir nicht nur Erfinder sind, sondern diese auch in erfolgreiche Produkte umsetzen.

Bill Gates identifierte verschiedene Megatrends, unter anderen den immer schneller fortschreitenden “Digital Life- and Workstyle” und die sich immer tiefer vollziehende Digitalisierung der Wirtschaftsabläufe. Um hier mithalten zu können, ist die Aus- und laufende Weiterbildung essentiell. mit billigen, ergonomischen Endgeräten (Tablets lt. Bill Gates) und – ein zentraler Punkt – angepassten Lehrplänen und -inhalten.

Diese müssen die unterschiedlichen Zugänge zur Technik berücksichtigen. So zeichnen sich junge Menschen durch ein eintauchen in die Technologie und einen explorativen Zugang aus, während sich Ältere häufig über ihr Erfahrungswissen nähern.

Laut Bill Gates sind vier Werkzeuge für den Information Worker wesentlich. Wie zufällig decken sie sich mit neuen Microsoft-Entwicklungen, was ja aber nichts an der tatsächlichen Relevanz ändert:

# Portale für den Zugriff auf verteilte Informationen
# Suchfunktionalitäten
# Unified Communication, also die Bündelung aller Informationskanäle von Mail über Chat bis zur Telefonie
# Business Intelligence und Visualisierung, also das Vorbereiten und Darstellen von Entscheidungen

In Verbindung mit den zunehmend allgegenwärtigen Computern (ubiquitous) ist das Wissen für den Umgang mit den Tools… Genau: Erfolgskritisch.

Fraunhofer-Präsident Prof. Hans-Jörg Bullinger stellte seinem Einstiegsstatement, dass Wissen immer noch nicht per “Nürnberger Trichter”:http://lexikon.meyers.de/meyers/Nürnberger_Trichter vermittelt wird, fünf Grundfähigkeiten für die Wissensgesellschaft vor:

# Selbständiges Arbeiten
# Kommunizieren
# Organisieren (Stichwort “Informationsflut”:http://www.work-innovation.de/blog/2006/11/02/gedanken-zum-information-overload/)
# Verantwortungsfähigkeit
# IT-Kenntnisse

Gerade letzteres kann zum Bruch der Gesellschaft führen. Diejenigen, die mit den neuen Möglichkeiten umgehen können und die anderen. Um diesem zukünftig entgegen zu wirken muß die Hinführung zu neuen Technologien genauso wie zu den weiteren Anforderungen so früh wie möglich begonnen werden.

Diesen Hinweis halte ich für ganz wesentlich. Das Problem der “digitalen Spaltung”:http://de.wikipedia.org/wiki/Digital_Divide ist damit kein Problem mehr zwischen erster und dritter Welt. Es ist das Problem jeder, auch unserer, Gesellschaft. Hier im Blog war schon mal Thema, dass das “keine Frage des Alters”:http://www.work-innovation.de/blog/2005/09/23/it-eine-frage-des-alters/ ist.

In der anschliessenden Diskussionsrunde stellte Hanns-Eberhard Schleyer, Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, klar, dass gerade das Handwerk und damit die duale Ausbildung keine technikfreie Zone mehr sind, ganz im Gegenteil. Allerdings zeigte er sich unzufrieden mit den Grundlagen, die die Auszubildenden von den Schulen mitbekommen.

Rupert Stadler, Mitglied des Vorstandes bei Audi, stellte ebenfalls fest, dass sich die Berufsbilder dramatisch ändern. Autos zu bauen hat heute viel mit IT zu tun: 90 MB Software sind in einem neuen Audi “verbaut”, die Anzahl der Steuerungsgeräte hat sich von alten zum neuen A6 ungefähr verzehnfacht. Um mit diesem Wandel Schritt halten zu können, müssen die Mitarbeiter Selbstverantwortung für das lebenslange Lernen übernehmen. Der Arbeitgeber kann und muß dazu Hilfestellung geben, die alleinige Verantwortung kann er allerdings nicht mehr übernehmen.

Die Frage ist: Wie kann man diese Leistungsbereitschaft, das Engagement wachkitzeln?

Bitkom-Präsident Berchtold stellte in diesem Zusammenhang die Frage, ob wir genügend fitte Menschen für die IT-Zukunft haben und machte diese Frage an der viel zu geringen Zahl von Absolventen in IT-Studiengängen fest. Als Lösungsansatz für diese Situation schlägt auch Herr Berchtold vor, ganz früh damit zu beginnen, die Kinder für Technik zu begeistern.

Was bedeutet das? Computer schon an der Kinderkrippe? Den Lernstoff in den Grundschulen per Computer vermitteln? Nein, sagt Prof. Bullinger. Es geht nicht darum, alles flächendeckend mit Computern zu überziehen. Es geht darum, den “Computer als Werkzeug zu begreifen”:http://www.work-innovation.de/blog/2005/10/12/homo-digitas-und-kinder/, genauso wie früher (und heute…) Kreide und Schiefertafel. Und diesen integriert zu nutzen, die Lehrkonzepte daraufhin zu ändern und damit IT-Kenntnisse quasi nebenher und spielerisch zu vermitteln.

Der richtige Ansatz, wie ich finde: Den Computer nicht zu nutzen um die gleichen Dinge anders zu machen, sondern um andere Dinge zu tun.

Willi Bauer von Fraunhofer IAO stellte noch heraus, das so genannte “asynchrone Arbeitsbiographien”:http://future.germanblogs.de/archive/2006/08/13/1kkc8pna9u3cf.htm#fulltext die Regel werden. Auch das bedeutet ein Umdenken in der Gesellschaft und neue Herangehensweisen an das Thema Lernen.

Der letzte Absatz soll nochmals Bill Gates gehören. Auf die Frage, wie er Deutschland in der Welt bezogen auf diese Diskussion sieht, ist seine Antwort: Das Curriculum und die Art zu lehren ändert sich in Deutschland wie in vielen westlichen Ländern zu langsam, genauso wie die Ausstattung. Der Preis für das notwendige Equipement muß so günstig werden, dass niemand aufgrund des Preises ausgeschlossen bleibt. Kinder “mit verändertem Medienkonsum”:http://www.work-innovation.de/blog/2006/03/21/veraenderter-medienkonsum-bei-kindern/, die zuhause mit den neuesten Videospielen ihre Zeit verbringen, können und sollten genau dort abgeholt werden. Neue interaktive Methoden für die Wissensvermittlung sorgen für Wissen und quasi im Nebeneffekt für die erforderlichen IT- und “Medienkompetenzen”:http://www.work-innovation.de/blog/2006/09/02/texte-zur-medienkompetenz/.

Die Druckfunktion für Beiträge wurde wohl extra für dieses längliche Exzerpt dieser Veranstaltung erfunden…

Ergänzend: Schönes “Interview”:http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,,OID6070480_REF1,00.html von Anne Will mit Bill Gates, das “manager magazin online”:http://www.manager-magazin.de/it/artikel/0,2828,446769,00.html und “golem.de”:http://www.golem.de/0611/48762.html, die allerdings Michael Glos anstatt Frau Wöhrl gesehen haben wollen.

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5 Responses to Wissen für die Wissensarbeit als Schlüssel zu Innovation und Wachstum

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