Zweiter und (vorerst) letzter Teil zum Thema ergonomische Computerarbeitsplätze, heute mit Fokus auf dem Arbeiten mit Notebooks. Grundsätzlich gilt in Deutschland ja die so genannte Bildschirmarbeitsverordnung. Auslegungsbedürftig sind dabei Notebooks. Für diese gilt die Bildschirmarbeitsverordnung nämlich nur dann, wenn sie dauerhaft und fest am Arbeitsplatz eingesetzt werden.

Auf behördendeutsch liest sich das so:

“Bildschirmgeräte für den ortveränderlichen Gebrauch, sofern sie nicht regelmäßig an einem Arbeitsplatz eingesetzt werden, sind von der Verordnung ausgenommen.” (Quelle: Auslegungshinweise zur Bildschirmarbeitsverordnung des Länderausschuß für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik (LASI))

Warum ist das wichtig? Nun, Notebooks haben prinzipbedingte ergonomische Schwächen:

  • Bildschirm und Tastatur sind nicht voneinander getrennt und damit nicht flexibel positionierbar
  • Somit wird zumeist auch kein optimaler Sehabstand erreicht
  • Der Bildschirm ist nicht flexibel in Höhe und Ausrichtung einstellbar
  • Die Tastaturausführung ist nicht sonderlich ergonomisch
  • Die Qualität der Zeichendarstellung ist evtl. mangelhaft, etwa wenn zu hohe Auflösungen mit niedrigen Bildschirmdiagonalen gefahren werden (1400×1050 auf 14”-Display)

Das führt dazu, dass gerade Notebook-Nutzer häufiger über Beschwerden im Schulter- und Nackenbereich klagen. Abhilfe schafft beim Arbeiten am Schreibtisch ein externer Monitor – mit dem Vorteil, dass Sie damit quasi automatisch mit mehreren Monitoren arbeiten können – und eine externe Tastatur/Maus. Damit dieses Setup komfortabel wird, sollte das Notebook an einer nicht zu sperrigen Docking-Station angeschlossen sein. Anschlüsse dafür haben in der Regel Notebooks der Business-Klasse. Nachteil: Rechnet man das preislich alles zusammen, dann entstehen schnell einige hundert Euro an Zusatzkosten.

Nun mag man zu obigen Punkten stehen wie man will, ich persönlich finde gute Notebook-Tastaturen inzwischen deutlich angenehmer als die klobigen Desktop-Tastaturen. Wohlgemerkt, gute Tastaturen. Das heißt: nicht schwammig, keine einseitige Erhitzung der Handballenauflage und sich nicht ablösende Beschriftung. Gerne auch mit Positiv-Darstellung, also schwarzen Buchstaben auf hellen Tasten. Fujitsu-Siemens bietet das beispielsweise.

Wie liegen denn Ihre Hände beim Schreiben auf (wenn Sie mit 10 Fingern schreiben)? Liegen die Handballen eher parallel zur Notebook-Kante oder bilden sie eine Linie mit den Unterarmen? Letzteres ist deutlich weniger anstrengend für die Gelenke, erfordert aber vielleicht etwas Umgewöhnung. Probieren Sie mal folgendes: Die beiden Zeigefinger liegen bei den Buchstaben “F” und “J” an der untere Tastenkante. Die beiden kleinen Finger liegen am oberen Eck der Buchstaben “A” (oben links) und “Ö” (oben rechts). Legen Sie die Unterarme bzw. Ellenbogen bequem und nicht zu dicht am Körper auf die Tischplatte. Damit entsteht quasi automatisch eine leicht schräge, natürlichere Handhaltung. Experimentieren Sie nun etwas mit dieser Handhaltung (und der Fingerkrümmung) bis Sie alle Tasten bequem erreichen können. Zugegeben, je länger Ihre Finger sind, desto besser funktioniert das. Acer hat in den Business-Modellen leicht gebogene Tastaturen, die diese Haltung unterstützen. Allerdings empfehle ich Acer aus anderen Gründen nicht.

Übrigends sollten Sie – das gilt für Tastatur und Maus und nicht nur beim Arbeiten mit Notebooks – die Gerätschaften nicht aus dem Handgelenk bedienen. Sondern vielmehr mit dem kompletten Arm. Beim Tippen also die Handballen möglichst nicht auflegen, sondern in der Luft halten. Damit kann der ganze Unterarm arbeiten und nicht nur die Finger und das Handgelenk. Die Ablage dient zur kurzen Entspannung zwischendurch, z.B. bei kurzen Schreibpausen. Beim Bedienen der Maus gehören die Handballen auf die Maus und nicht auf den Tisch oder die Unterlage. Legen Sie aber bitte nicht die Handfläche komplett auf die Maus, versuchen Sie eine leicht schräge, natürliche Handhaltung. Damit wird einer einseitigen Belastung der Gelenke vorgebeugt.

Steht das Notebook plan auf dem Tisch, dann ist des Display häufig zu niedrig. Die Oberkante des Bildes ist ein gutes Stück unterhalb der Augenlinie. Das führt zu einer ungünstigen Haltung. Abhilfe kann durch einen externen Monitor geschaffen werden oder durch eine spezielle, universale Docking-Station für das Notebook. Sehen Sie sich mal die hier im Blog vor einiger Zeit vorgestellte Kensington Notebook Station USB an.

Noch ein Wort zum Display: Machen Sie einen großen Bogen um die neuen hochglänzenden Glare-(Trulite-/Trubrite-/Crystalview-/Sonstwie-)Displays. Diese sind in unbeleuchteten und dunklen Gamer-Zimmern zwar sehr schön, weil mit besserer Farbbrillianz. Ansonsten eigenen sie sich aufgrund der extremen Spiegelung gut als Rasierspiegel, aber nicht zum ergonomischen Arbeiten. Greifen Sie besser auf die traditionellen, entspiegelten Displays zurück.

Gerade beim längeren Arbeiten mit einem Notebook spielt die restliche Arbeitsumgebung einen noch wichtigere Rolle. Achten Sie darauf, dass Stuhl und Tisch möglichst optimal auf Ihre Körpergröße eingestellt sind, Sie sich auch mal entspannt zurücklehnen können und das Notebook möglichst frei am Tisch verrücken können. Bei stundenlangem Arbeiten sollten Sie sich tatsächlich überlegen, ob die Investition in die oben genannten Zusatzgeräte nicht eine sinnvollle für die eigene Gesundheit ist. Gerade wenn Sie beim Kauf des Notebooks Wert auf Mobilität gelegt haben und sich deshalb für ein kompaktes und leichtes Gerät entschieden haben.

Und unterwegs? Nun ja, die Möglichkeiten sind beschränkt. Achten Sie bewußt auf eine möglichst natürliche und entspannte Haltung. Eine sichere Abstellfläche ist sehr zum empfehlen. Ein verkrampftes Balancieren auf den Unterschenkeln sieht zwar lustig aus, ist aber ermüdend und wackelig. Vorsicht ist bei Klapptischen in Zügen geboten. Weniger aus ergonomischen Gründen: Wenn der Vordermann plötzlich schwungvoll die Sitzlehne nach hinten fährt gibt es gerne mal stark beschädigte oder gar zerbrochene Bildschirme.

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Geschrieben von Alexander Greisle am 21. Dezember 2006, Lizenz
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