Kunden in Innovationsprozesse involvieren. Einige Kernfragen vor dem Start.
Inzwischen gibt es eine Menge positiver Beispiele darüber, wie erfolgreiche neue Produkte durch das Involvieren von Kunden in die Ideenfindungs- und Innovationsprozesse entstehen. Egal, ob die Konzepte dazu nun Open Innovation, “Crowdsourcing”, “Kundenparlament”, “Open Source” oder sonstwie heißen, zentral ist der offene Dialog. Spannende Best-Practice-Beispiele sind etwa Gardena, Fiat (sogar – oder erst recht – im angeschlagenen Zustand hilft es, mit den Kunden zu reden) oder das Hotel SEEDAMM PLAZA.
Bevor ein solcher Prozess in Gang gesetzt wird, sind einige grundsätzliche Fragen zu klären. Am Ende sollten Sie wissen, ob und wie Sie Ihre Kunden in die Ideenfindungs- und Innovationsprozesse einbinden möchten und welche Voraussetzungen Sie dafür schaffen dürfen.
- Wo im Innovationsprozess können wir von der Kundenintegration am meisten profitieren?
- Wie profitieren unsere Kunden davon? Was sind wir bereit zu geben? Wie zeigen wir den Teilnehmern unsere echte Wertschätzung für ihr Engagement?
- Welche Risiken haben wir bei der Kundenintegration und wie gehen wir proaktiv damit um?
- Welche Kunden wollen wir warum einbeziehen? (Achtung, hier sind drei Fragen enthalten)
- Welche kulturellen Voraussetzungen brauchen wir dafür noch?
- Mit welchen Methoden wollen wir die Kundeneinbinden, online genauso wie offline?
- Welche Eigenschaften benötigen wir auf der Mitarbeiterseite und welche Mitarbeiter sind am besten geeignet?
- Welche methodischen und persönlichen Kompetenzen sind im Vorfeld aufzubauen?
Jede dieser Fragen führt zu weiteren Details, Diskussionbedarf und Aufgaben. Zentral sind die ersten vier Fragen. Findet sich hierauf keine überzeugende Antwort, dann ist es besser, die Aktion abzublasen.
Von der Frage nach der Notwendigkeit eines klaren Nutzens muß man keinen Unternehmer überzeugen. Spannender wird die zweite Frage. Ein paar olle Kamellen aus der Werbeartikelkiste? Vergessen Sie es am besten gleich wieder. Ein T-Shirt mit Werbeaufdruck holt niemanden hinter dem Ofen hervor, geschweige denn motiviert zu den qualitativ hochwertigen Beiträgen, die Sie brauchen. Und dann ist Wertschätzung etwas anderes als das einseitige Abgreifen von Wissen. Hannes Treichl hat das vor kurzem sehr schön am Beispiel von Dell aufgezeigt.
Spontan fällt einem sofort die dritte Frage nach den Risiken ein. Ja, natürlich, die gibt es. Jeden Morgen, sobald wir den ersten Fuß aus dem Bett bewegen, fängt das mit den Risiken an. Eigentlich sogar schon vorher: Was könnte nicht alles passieren, wenn wir uns nicht aus dem Bett bewegen? Lange Rede, kurzer Sinn: Es ist wichtig, sich über die Risiken bereits im Vorfeld klar zu werden. Dann kann entsprechend proaktiv damit umgegangen und das Risiko minimiert werden.
Nicht vergessen sollten Sie auch die internen Basics. Wenn Mitarbeiter erschrecken, sobald sie einen Kunden sehen, dann sollte das – nicht nur hierfür – schleunigst geändert werden. Die Kultur muß die Offenheit verkraften und die entstehende Dynamik positiv für die Weiterentwicklung verwerten. Der notwendige interne Change sollte rechtzeitig eingeleitet werden. Ebenfalls wichtig: Die ganz banalen Methoden und Werkzeuge beherrschen bzw. sicherstellen, von der Moderation und Ideenfindung über Tools und Softwaresysteme bis hin zum Eventmanagement. Nur dann wird ein Dialog und keine Einbahnstrasse entstehen.
Kunden zu involvieren ist kein kleines Projekt. Aber ein sehr vielversprechendes.
Weiterlesen: Kundenorientierte Innovation, Innovationspolitik, Innovationsprozesse, Innovationsstrategie
Geschrieben von Alexander Greisle am 1. März 2007, Lizenz
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Antworten und Kommentare:
Erwähnung in anderen Blogs bzw. Beiträgen:
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8 Fragen für Open Innovation Projekte » ANDERS|denken Blog am 01.03.2007 um 14:21 Uhr:
[...] schreibt Alexander Greisle heute bei Work Innovation und stellt 8 hervorragende Fragen, die im Vorfeld eines jeden Crowdsouring, Open Innovation oder User generated content-Projektes (oder wie auch immer man dazu sagen will), beantwortet werden sollten: [...]
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VisualBlog - das VisualOrgasm-Weblog » Crowdsourcing - das Thema gewinnt immer mehr an Interesse am 01.03.2007 um 15:49 Uhr:
[...] Bei Hannes Treichl dann fand ich einen sehr interessanten Beitrag, in dem er auf Alexander Greisles Beitrag “Kunden in Innovationsprozesse involvieren. Einige Kernfragen vor dem Start” hinweist. Dort heißt es: “Bevor ein solcher Prozess in Gang gesetzt wird, sind einige grundsätzliche Fragen zu klären. Am Ende sollten Sie wissen, ob und wie Sie Ihre Kunden in die Ideenfindungs- und Innovationsprozesse einbinden möchten und welche Voraussetzungen Sie dafür schaffen dürfen. [...]
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Armin Karge am 01.03.2007 um 19:02 Uhr:
Crowdsourcing = Change Management mit Kunden?...
In der deutschsprachigen Marketing-Szene ist eine heiße Diskussion um den Begriff “Crowdsourcing” entstanden. Hierbei geht es um das “Involvieren von Kunden in Ideenfindungs- und Innovationsprozesse”. Oder mit meinen Worten: D…
Ihr Kommentar zu diesem Beitrag:
Die vorgeschlagenen Fragen treffen meiner Meinung nach den Punkt. Was ich jedoch herausgelesen habe ist die Fage, wie soll ich den Kunden “belohnen”. Diesbezüglich würde ich sehr vorsichtig sein, schließlich will man keine “Souvenier-Abstauber” anlocken. Die besten Inventives sind sicher mit dem jeweiligen Geschäftsfeld verbunden, sprich es profitieren nur Kunden die wirklich an der Sache interessiert sind.
Das sehe ich genauso, Patrick. Alles, für das das Etikett “Souvenir” passt, lässt sowieso die notwendige Wertschätzung fehlen. Das Give-away-Budget sollte für andere Aktionen vorbehalten sein… Sinnvoll ist es auch, das Ganze mit dem Ideenauswahlprozess zu koppeln und so einen Schritt in Richtung Qualität zu tun.
Zu Frage 4: “Welche Kunden wollen wir warum einbeziehen?”
Welche Kunden sollte man den deiner Meinung nach einbeziehen und wie sollen wir sie identifizieren? In der Literatur gibt es dazu ja einige Ansätze, aber mich würde deine persönliche Meinung interssieren, hört sich nämlich so an als hättest du dabei einiges an Erfahrung.
Das ist natürlich eine schwierige Frage. Der Auswahlprozess hängt ja schon von der Kundenstruktur ab. Sind es strukturell viele Kleinkunden? Kann ich nutzbare Kundencluster bilden und diesen auch konkrete Namen und Personen zuordnen? Habe ich wenige Kunden, die ich persönlich kenne oder einen (mehr oder weniger) anonymen Massenmarkt? Wie sieht die Mischform aus?
In jedem Fall gehören die Mannschaft an der Front, die Vertriebler und Verkäufer, aber auch die Partner in den Absatzkanälen in den Auswahlprozeß involviert. Sie kennen die Kunden am besten…
Vielleicht ein paar Fragen zur Auswahl. Ziel sollte sein, diejenigen zu identifizieren, die etwas zu sagen haben. Gibt es gute, konstruktiv kritische Kunden? Welche Kunden sind kurz vor dem Absprung? Welche Neukunden lassen sich besonders gut an? Wer setzt Produkte von Mitbewerbern neben unseren eigenen ein? Es kommt darauf an, projektbezogen die richten Fragen zu entwickeln.
Ein taktisches Thema ist auch die Frage nach Quantität oder nach Qualität. Ohne Wertung, auch Masse kann Qualität produzieren, es hängt von der oben diskutierten Kundenstruktur ab.
Die Kenntnis der Kundenstruktur ist auch relevant für die Auswahl der Incentives.