Information-Life-Balance. Oder: Einfach locker bleiben.
Johannes hat bei imgriff einen Beitrag von Web Worker Daily aufgegriffen mit der Frage: Wie umgehen mit der Informationsflut um immer auf dem laufenden zu sein, ohne darin zu ertrinken. Das nähert sich langsam einem Hype-Thema wie der “Work-Life-Balance” an. Sagen wir also mal “Information-Life-Balance” dazu.
Die Erkenntnisse aus dem Web Worker Daily-Beitrag:
- Maschinen arbeiten lassen. Das bedeutet, die richtigen Filter zu setzen, damit nur die relevanten Informationen durch kommen. Das kann man mit den richtigen – das ist der Punkt – Schlüsselwörtern tun.
- Andere Menschen arbeiten zu lassen. Zum Beispiel über ausgewählte Twitter-Kanäle oder Social-Bookmarking-Dienste. Also doch wieder Maschinen bzw. Werkzeuge arbeiten lassen. Die unter 1. gefilterten Informationen wurden ja auch von Menschen erstellt, halt auf einem anderen Kanal. Zweitens fällt also unter Erstens.
- Laß Deinen Kopf arbeiten, dabei hilft Meditation und Yoga. Ziel ist nicht zuletzt, sich mehr merken zu können und die Informationen besser Qualifizieren zu können..
Meditation und Yoga hilft auch bei Work-Life-Unbalance. Selbst bewerten, das stimmt natürlich, nur so gehts, das kann keine Maschine. Insofern kann ich das mal so stehen lassen, auch wenn ich kein Yoga mache. Zu den anderen beiden will ich mal einen Kontra-Punkt setzen und in die Diskussion werfen. Und vielleicht doch etwas am Dritten rummäkeln.
Ob es einem Informationssüchtigen hilft, da mit Schlüsselwörtern drauf zu hauen? Ich glaube nicht. Das ist ein schlechtes Entzugsprogramm mit den gleichen Nebenwirkungen. Was ist mit Informationen, die unter einem anderen Begriff veröffentlicht wurden? Immer den ganzen Thesaurus mit ins Schlagwort packen? Oder solchen aus angrenzenden Fachbereichen? Und schon ist man wieder bei der Flut. Und der Info-Süchtige hat körperliche und geistige Krämpfe.
Ich fühle mich auch nicht überflutet, gehöre also zu den 73 %. Auch nicht von annähernd 500 Feeds plus Internet, plus Mail, plus Chat, plus, plus, plus. Man muß auch wirklich nicht so viele Feeds lesen, man kann aber. Andere haben andere Hobbies.
Weil ich locker ran gehe und weiß, dass ich die Informationen schon wieder finde. “Vergängliches” auf der Festplatte – jede Internet-Information ist potenziell vergänglich – oder halt im Netz. Oder ich gehe gleich zur guten und vertrauenswürdigen (Offline-)Quelle, greife zum Telefon, rede persönlich mit Menschen. Denn in den Köpfen stecken die besten Informationen, nicht auf irgendwelchen Festplatten (auch Online-Dienste haben Festplatten).
Und wenn nicht, dann halt nicht. Dann gibt es andere Informationen an anderen Orten.
Vielleicht ist der beste Tipp: Sich locker zu machen und zu akzeptieren, dass es die totale, die vollständige Information ohnehin nicht geben kann. Vielleicht ist es das, das Hans Kasper als Informationsinstinkt bezeichnet.
Ich will auch nicht jede Information die auf mich einprasselt abchecken, ob sie wichtig, richtig oder sonst was ist. Das mache ich höchstens “flapsig spontan”. Intensiv nur einzelfallbezogen, dann wenns wirklich sein muß und dann aber richtig.
Zum einen kann ich eine solche Bewertung ohnehin nur für den gerade aktuellen Arbeitskontext bzw. das aktuelle Arbeitsgebiet vornehmen und nicht für die Zukunft oder angrenzende Arbeitsgebiete. Die heute unwichtige Information ist vielleicht die, die mir im neuen Projekt nächste Woche “das Leben” rettet. Weiß ich aber heute nicht. Zum anderen habe ich wiederum gar nicht genug Informationen im Kopf (nachschlagen hilft bei der Masse nicht weiter) um all die Bewertungen wirklich fundiert zu tun.
Erst recht will ich mir gar nicht so viel merken, ehrlich gesagt. Weniger ist mehr. Die Hirnwindungen verknüpfen das dann schon richtig und führen auf die richtige Fährte. Erst dann lasse ich die Werkzeuge für mich filtern und sortieren, nicht umgekehrt.
Das klappt aber nur, wenn man sich locker macht.
Weiterlesen: Informationsflut, PIM, Work-Life-Balance, Twitter
Geschrieben von Alexander Greisle am 16. Mai 2007, Lizenz
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Ihr Kommentar zu diesem Beitrag:
Sehr cooles Weiterspinnen der Diskussion, danke.
Gerade über deinen vorletzten Punkt denke ich immer wieder nach und will dem auch mal einen eigenen Artikel widmen. Das Problem ist doch, dass wenn ich früher schon immer nur auf produktives Arbeiten und effektives sich informieren gesetzt hätte, wäre ich heute ganz woanders. Jedes Wildern in anderen Sachgebieten und jedes sich von der Welle treiben lassen kann mich beim Surfen im Web zu einem neuen Gebiet führen, das ich noch nicht kannte, das aber vielleicht mal sehr wichtig für mich werden kann.
Deswegen funktioniert das T4HWW-Zeug von Tim Ferriss für mich auch nur begrenzt.
Die Frage für mich ist, wie ich die optimale Mischung aus Zeug erledigt kriegen und neues Zeug entdecken, hinbekomme.
Aber ich stimm dir völlig zu: entscheidend ist dabei, relaxt zu bleiben und sich locker zu machen. Vielleicht ist gerade dafür Meditation und Yoga hilfreich ;-)
Für Entwicklung braucht es Fehler. Ohne DNA-Kopierfehler keine Evolution, ohne vergebliche Versuche keine Glühbirne. Selbst Autofahren können wir nur, weil wir nicht perfekt sind ( Sonst könnten wir unser ganzes Leben nur unser Fahrschulmodell fahren – mit perfekter Abstimmung auf die exakte Lage von Lenkrad, Gas, Sitzhöhe, Rückspiegel).
Also Mut nur Mut zum vergessen, zum Informationen verlieren und Improvisieren. Und nimand zwingt uns in das andere Extrem des Chaoses zu verfallen.