“Messen, Zählen, Wiegen”. Der Lieblingsspruch meines Buchhaltungslehrers zum Thema Inventur, vor Urzeiten an der Berufsschule. Das war damals, als die EDV noch nicht so weit war wie heute. Es war damals noch richtig viel (Hand-)Arbeit. Heute läuft das automatisch, wofür gibts schließlich Computer.
Und das bringt dann solch tolle Ideen hervor wie den “Blogcensus”:http://www.blogcensus.de/. Census bedeutet Volkszählung. Kam ja schon in der Bibel vor, wie wir jedes Jahr an Weihnachten lernen. Früher führte der Staat Volkszählungen durch (“bald wieder”:http://www.netzeitung.de/deutschland/436117.html, dann auch elektronisch unterstützt). Heute kann dank moderner Technologien jeder einen Census versuchen.
“Wir vermessen die Blogosphäre”. So lautet denn auch der tolle Slogan des Blogcencus. Da bleibt mir doch glatt das Schokocroissant im Hals stecken. Ich will nicht vermessen werden. Das letzte mal ist schon eine ganze Weile her und war bei der Einkleidung bei der Bundeswehr. Ich habe nicht vor, das Vermessen meiner Person zur Gewohnheit werden zu lassen.
So interessiert im Blogcencus denn auch nicht nur die reine Zahl der Blogs. Auch soziale Daten sollen statistisch aufbereitet werden: “ob mehr Frauen oder Männer bloggen, in welchen Städten oder Bundesländern am meisten gebloggt wird, etc.”. Et cetera? “Und die übrigen”? Was denn noch alles? So genau möchte man sich noch nicht festlegen, mit der Datensammlung wurde allerdings schon begonnen.
Das ganze passiert dann auch ohne Einwilligung des oder der Vermessenen. Und allerspätestens da verliere ich die Lust. Man kann sich offensichtlich nicht einmal austragen lassen, lediglich die Möglichkeit “sein eigenes Blog bei uns so zu markieren, dass wir die URL nicht wieder besuchen” soll geboten werden. Klappt so natürlich nur wenn man denn erfährt, dass man Vermessen wurde. Und man kann das “nicht weiter besuchen” durch eine technische Maßnahme erreichen – wenn man diese denn beherrscht. Immerhin wird versprochen, dass man die zugrundeliegenden Prinzipien einhält. Und dann darf der Vermessene hoffen, dass beides wirklich funktioniert. Im Census ist man allerdings dann immer noch drin – einmal erfasst, Pech gehabt?
Klar, anders herum wirds schwierig für die Macher. Wie will man die Zustimmung aller deutschen Blogbetreiber einholen? Die man ja gar nicht kennt, man will sie ja erst herausfinden. Das ist aber ehrlich gesagt nicht mein Problem. So lebensnotwendig ist die Zahl und Statistik der deutschen Blogszene – die ohnehin nur lückenhaft sein kann – nun auch wieder nicht, dass dafür ein Census, eine Volkszählung, notwendig wird.
Nein, Google & Co. ist was anderes. Das sind Suchmaschinen und damit ein notwendiger – wenn auch hinsichtlich Privacy wirklich nicht unkritischer – Bestandteil des Internet. Ein Blogcensus ist kein notwendiger Bestandteil des Internet. Ja, ich mag auch die Zählmaschine Alexa nicht.
Es wird langsam Zeit, dass die normalen Nutzer und Seitenbetreiber des Internet vernünftige Werkzeuge bekommen um sich gegen die beliebige Datensammelwut von Jedermann zu schützen. Das Recht zur aktiven Teilnahme am Internet leitet sich weder von der Kenntnis einer “robots.txt” ab noch ist sie die implizite Zustimmung zur Internet-Volkszählung.
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