Derzeit gibt es in der Internet-Szene zwei Dinge, die wie das Kraut aus dem Boden schießen und einen gewissen Hype-Faktor haben: Social Networks, bei denen der Hype schon wieder etwas abflaut, und Personen-Suchmaschinen. TechCrunch spricht sogar schon von einem War of the People Search. Für die persönliche Reputation, nicht nur Online, tun sich jedenfalls neue Dimensionen auf.

Personen-Suchmaschinen sind vertikale Suchdienste, die sich im Gegensatz zu den herkömmlichen Diensten auf ein Rechercheziel spezialisiert haben. Wie es der Name vermuten lässt, auf die Suche nach Fakten zu Personen. Das erledigen sie mehr oder weniger tief und manchmal auch brauchbar.

Bei den verschiedenen (Test-)berichten im Netz sollte man sich im Moment noch nicht zu sehr blenden lassen. Denn klar, es lässt sich über George W. Bush und andere Promis sehr schnell einiges finden. Zapft man, wie z.B. Spock, die Wikipedia-Einträge an, dann entstehen mächtig aussehende Profile. Man bekommt einen Eindruck davon, was möglich wäre. Die Frage ist, ob dadurch die wirklich interessanten Informationen besser zugänglich werden.

Hinzu kommt: Häufig werden die Einträge und Profile zunächst von der jeweiligen Person selbst mit den gewünschten Details gepflegt. Damit sind die nachfolgend aufgeführten Tools nicht nur Suchmaschinen sondern auch hervorragende Werkzeuge um die Treffer herkömmlicher Suchmaschinen, und damit die eigene Reputation, etwas zu steuern.

Doch nun zur Kurzvorstellung mit Screenshots einiger Personen-Suchmaschinen, die sich im Anwendungsprofil durchaus unterscheiden. Im weiteren möchte ich Spock, ZoomInfo, Pipl, Wink, Stalkerati, Yoname und Peekyou kurz charakterisieren. Ein weiteres Tool, Paterva Evolution, zeigt, dass zukünftig mit modernen Technologien noch sehr viel mehr möglich sein wird.

Spock

Spock dürfte im Moment nach Google die in den Medien meisterwähnte Suchmaschine sein. Nachdem der geschlossene Beta-Test seit wenigen Tagen abgeschlossen ist, wurde die Marketing-Maschinerie verstärkt angeheizt. Die Suche bei Spock funktioniert wie bei jeder anderen Suchmaschine: Name eingeben, Person aus der Trefferliste auswählen, Profil ansehen.

Die Profile sind, sofern Spock nicht z.B. in ausgewählten Quellen wie der Wikipedia oder verschiedenen Social Networks eigenständig Informationen findet, user-generated. Die Informationen können von registrierten Nutzer ergänzt und bewertet (siehe Screenshot) werden. Als registrierter Nutzer bekommt man eine kurze Nachricht, wenn das eigene Profil verändert/ergänzt wurde.

Spock hat derzeit noch stark mit Dubletten zu kämpfen, also mehreren Treffern für die gleiche Person. Um dieses Problem zu lösen hat Spock vor einiger Zeit zu einem Wettbewerb aufgerufen. Offensichtlich bisher noch ohne durchschlagendenen Erfolg.

ZoomInfo

Zoominfo erlaubt die explizite Suche nach Personen- oder nach Firmennamen. Als Suchkritieren lassen sich auch geografische Informationen oder Gehaltsspannen nutzen. Letzteres ist eher für den amerikanischen Markt interessant und zeigt natürlich auch die Transparenz, die durch solche Werkzeuge entstehen kann.

Nicht ganz so ausführlich sind bei Zoominfo, wie auch bei Spock, die Informationen für weniger prominente Web-Bürger:

Zoominfo hat zumindest vorgesehen, dass auch Suchergebnisse aus dem Netz angezeigt werden, die “Web References”. Allerdings funktioniert diese Funktion noch nicht zufriedenstellend, wie auch der Screenshot zeigt.

Xing hat eine Partnerschaft mit ZoomInfo geschlossen mit dem Ziel, ZoomInfo als Sprungbrett in den amerkikanischen Markt zu nutzen. Das zeigt schon ein bischen die Zwitterstellung, die solche Tools haben. So bietet ZoomInfo auch Netzwerk-Funktionalitäten.

Hier festigt sich der Eindruck, dass Personen-Suchmaschinen mindestens ein so starker Konkurrent zu den Social Networks, welche häufig mehr als Branchenbuch denn als Network genutzt werden, sind als zu den traditionellen Suchmaschinen.

Pipl

Näher an die Funktionalitäten herkömmlicher Suchmaschinen leht sich Pipl an. Im zum Standard avancierten nüchternen Suchmaschinenlayout bietet Pipl an, nach Vorname, Nachname, Ort, US-Bundesstaat und Land zu suchen. So kann der Rechercheur schon etwas genauer eingrenzen, was gerade bei häufig vorkommenden Namen hilfreich ist, allerdings auch negative Auswirkungen auf die gefundenen Treffer haben kann. Alexander Greisle kann man zum Beispiel sowohl in Stuttgart als auch in München finden, mindestens.

Die Ausrichtung von Pipl zeigt sich darin, dass angeblich das Deep Web durchsucht wird. Entsprechend ist die Trefferanzeige gruppiert, zum Beispiel werden Kontaktinformationen extrahiert, allerdings alles andere als vollständig. Unter der angezeigten Nummer haben Sie allerdings nur geringe Chancen mich zu erreichen. Dafür wissen Sie jetzt, wie meine Frau heißt.

Es werden mehr oder weniger passende Alternativen für die Suche angeboten, so etwa der Vorschlag, dass mittels “Alex Greisle” weitere Treffer gefunden werden könnten.

Darüber hinaus werden “QuickFacts” extrahiert und Web-Vorkommen des Namens basierend auf den Google-Ergebnissen angezeigt. Zum einen allerdings weniger als in der lokalisierten Google-Suche, zum anderen nicht weiter aufbereitet.

Ist man also an tiefer gehenden Informationen interessiert, so muß man wieder die Liste der Treffer manuell durchsuchen. Die Frage nach dem Mehrwert gegenüber traditionellen Suchmaschinen lässt sich also durchaus stellen. Weiter unten werde ich noch kurz auf Paterva Evolution eingehen, das zeigt, dass hier durchaus weitergehende Dinge realistisch sind.

Wink

Einen recht ähnlichen Ansatz wie Pipl verfolgt Wink. Wink erlaubt die Suche nach Namen und die weitere Eingrenzung durch örtliche Informationen, weiteren Stichwörtern und/oder persönlichen Attributen. Auch hier gilt natürlich, dass diese Stichwörter durch die Reduktion der Treffer sowohl hilfreich als auch kontraproduktiv sein kann, je nach Rechercheziel.

An erster Stelle der Treffer stehen bekannte Social Networks, dabei spielen die deutschen Anbieter noch keine Rolle. Wenn vorhanden ist der persönliche Twitter-Feed ebenfalls prominent hervorgehoben. Das zeigt, dass Twitter durchaus mehr sein kann als eine Spielerei und es zeigt auch, dass man nicht jeden Unsinn twittern sollte.

Die Treffer aus den herkömmlichen Suchmaschinen spielen nur eine sehr eingeschränkte Rolle. Zwar werden einige angezeigt, allerdings bei weitem nicht komplett. Es entsteht ein bischen der Eindruck von Beliebigkeit, wobei wichtige Treffer, z.B. die Homepage der gesuchten Person, meist in den Treffern enthalten ist.

Wink bietet noch die “Wink’s people powerd WEB search” an, die jedoch keine brauchbaren Treffermengen bietet. Dafür kann jeder gefundene Link bewertet werden. Da derzeit nicht viele gefunden werden – wenn überhaupt – eine überschaubare Aufgabe. Für die dort gefundenen Links gibt es eine Art Social Bookmarking-Funktion.

Stalkerati

Ein schon länger existierender Dienst, der als Hobby in kurzer Zeit entwickelt wurde, hört auf den bezeichnenden Namen Stalkerati. Letzlich ist Stalkerati nicht mehr als die einfache Möglichkeit, mit einem Eingabefeld wenige gebräuchliche Suchmaschinen zu durchsuchen. Leider ist Stalkerati.com zum Testzeitpunkt gerade offline.

Es gibt unter stalkerati.de eine nachgebaute und auf deutsche Bedürfnisse angepasste Version. Mit dieser können Google, die Google Bildersuche, Xing und das schon beschriebene Pipl durchsucht werden. Die Suche bei StudiVZ funktionierte bei meinen Tests nicht.

Ein kleiner, überschaubarer Dienst, der eine geringe Arbeitserleichterung bringt. Nicht mehr, nicht weniger.

yoName und Intellius

Aus deutscher Sicht nicht viel zu sagen gibt es zu YoName. Der Dienst bietet die Möglichkeit, über verschiedene Social Networks zu suchen und findet die dort jeweils freigegebenen Informationen und Profile. Allerdings beschränkt sich das auf die typischen amerikanischen Dienste.

Generell gilt, nicht nur für YoName, dass nur Profile aus Social Networks gefunden werden, die auch gegen das Internet freigegeben sind. Wer auf seine Privatsphäre – so man denn hier davon sprechen kann – Wert legt, sollte die entsprechenden Optionen also setzen.

Warum ist yoName trotzdem interessant? Der Dienst kooperiert mit Intellius um so genannte “Public Records” zu finden. Intellius bietet in den USA die Möglichkeit, über persönliche Daten oder die Sozialversicherungnummer in öffentlichen Datenbanken zu suchen. Aus den gefundenen Daten wird ein kostenpflichtiger (50 US-$), detaillierter Report generiert. Darin fließen unter anderem folgende Daten ein:

  • Statewide Criminal Check
  • Sex Offender Check
  • Bankruptcies & Liens
  • Small Claims & Judgments
  • Address History
  • Relatives & Associates
  • Neighbors
  • Home Value & Details
  • Neighborhood Info
  • Satellite & Map Images
  • Alias Names
  • much more…

Wohlgemerkt, der Report basiert auf Daten, die öffentlich zugänglich sind. Unter obigem Link finden Sie auch einen Sample-Report.

PeekYou

Zurück ins Netz. In eine ähnliche Richtung wie Spock und ZoomInfo geht PeekYou. Neben der typischen Web 2.0-Oberfläche fällt vor allem auf, dass deutsche Personen derzeit noch nicht erfasst sind (es mag Ausnahmen geben, die ich aber nicht gefunden habe). Sie können jedoch ihr eigenes Profil anlegen, das in vielen Punkten dem der erwähnten Konkurrenten ähnelt.

Die Suche ist möglich nach Vor-/Nachname, Location und Schlüsselbegriffen aus verschiedenen Bereichen.

Interessant ist, dass in den Personenprofilen auch “Known Usernames” aufgeführt werden. Diese wiederum ermöglichen dem menschlichen Rechercheur einen neuen Recherchedurchgang, bei dem weitere Inhalte aus Datenbanken und Foren gewonnen werden können.

Die verschiedenen gezeigten Suchmaschinen bringen interessante Detaillösungen, markieren jedoch erst den Beginn der Entwicklung. Es werden im Moment noch Fakten präsentiert, diese aber noch nicht bzw. nur wenig intelligent miteinander verknüpft.

Paterva Evolution

Einen ersten Schritt in diese Richtung geht Paterva Evolution. Das Tool verknüpft einzelne Informationen miteinander um so an weitere Details zu kommen.

Ein einfaches Beispiel ist, dass die Kenntnis eines Domain-Namens schon ausreichen kann, um die E-Mail-Adresse des Besitzers herauszufinden. Diese ist dann eine gute Ausgangsbasis für weitere Recherchen. So können auch eigentlich versteckte Informationen ausfindig gemacht werden. Darüber hinaus lassen sich mit Evolution unter anderem hervorragend Beziehungen herausfinden.

Lesenswertes zu Paterva Evolution gibt es bei Kai Raven im Rabenhorst:

Wie lange wird es noch dauern, bis derartige Data Mining-Verfahren Einzug halten in Personen-Suchmaschinen?

Mein kurzes Fazit:

Insgesamt zeigt sich an vielen Details, wie weitreichend die Transparenz bereits heute ist. Professionelle Rechercheure können eine Vielzahl von Informationen über eine Person gewinnen. Die Werkzeuge dafür stehen grundsätzlich zur Verfügung, die Informationen werden häufig genug von den Personen selbst eingestellt.

Die nächste Entwicklungsstufe wird sein, Paterva Evolution zeigt den Weg, die Informationen intelligent zueinander in Beziehung zu setzen. Dann lassen sich Erkenntnisse über eine Person gewinnen, die so gar nicht im Netz stehen.

Wer auf die Schnelle nach Informationen zu einer Person sucht und sich drüber bewußt ist, dass er über diese Dienste zunächst Dinge findet, die von der gesuchten Person selbst gepflegt werden, der hat nützliche neue Werkzeuge. Wer weitergehendes über eine Person wissen möchte, der wird derzeit noch nicht um Google & Co. herumkommen und dazu eine gehörigen Portion Recherche-Know-How und Suchausdauer mitbringen müssen.

Sicher ist, dass das Thema der digitalen bzw. der Online-Reputation durch die neue Gattung der Personen-Suchmaschinen eine neue Bedeutung bekommt, darin aber gerade auch tolle Möglichkeiten liegen, diese positiv zu gestalten.

Und diese Werkzeuge sind die Mahnung, genau aufzupassen, was man selbst ins Netz stellt und was über einen selbst im Netz gefunden werden kann.

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Geschrieben von Alexander Greisle am 9. August 2007, Lizenz
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