Stellen Sie sich vor, Sie sind Taxifahrer. Stellen Sie sich weiter vor, Sie haben das Glück, eine lukrative Fahrt zu machen, Sie werden 200 Euro verdienen. Nun sind Sie ein kundenorientierter Taxifahrer. Deshalb haben Sie auch nichts dagegen, wenn Ihr Fahrgast Sie darum bittet, dass er Ihr Handy verwenden darf. Natürlich wundern Sie sich etwas, wenn er darauf auch Rückrufe erhält und es doch recht intensiv (auf italienisch) nutzt. Sei es drum, er ist Kunde.
Dann gehen Sie nach Hause. Sie sind müde, es war ein anstrengender Tag. Morgens um 4 Uhr schepperts gewaltig, ruck-zuck sind Sie von einem Sondereinsatzkommando umzingelt, Sie werden aus dem Bett gezerrt. Draußen ist die Straße voller Einsatzwägen und -kräfte.
Nun haben Sie aber echtes Glück. Sie sind Verehrer vom König Ludwig II. und bringen das auch in Ihrer Wohnungsausstattung zum Ausdruck. Das kommt dem SEK dann auch gleich komisch vor: “Da ko doch wos ned schdimma”. Jemand, der Devotionalien des Bayrischen Kini sammelt, der kann unmöglich ein Mafiosi sein. So klärt es sich auf, dumm gelaufen. König Ludwig sei Dank, Sie konnten direkt vor Ort ein wertvolles Indiz Ihrer Unschuld abliefern. Der nette Hauptkommissar lässt Ihnen sogar seine Visitenkarte da und brummelt was von Entschädigung (nein, nicht von Entschuldigung).
Gibts nicht? Doch. Herrn Ludwig Zieglgänsberger, ein 69-jähriger Taxifahrer aus Unterhaching, ist das passiert. Nachzuhören im Podcast von Antenne Bayern (direkter Download als mp3).
Einige Dinge können wir lernen:
- Lassen Sie niemanden mehr mit Ihrem Handy telefonieren.
- Wenn Sie Ihr Handy verlieren: Schnellstmöglich über den Provider sperren lassen.
- Die Vorratsdatenspeicherung geht nach hinten los. Kriminelle werden sie nutzen um den Verdacht von sich abzulenken und falsche Spuren zu legen. Einmal mehr bleibt also eine Maßnahme übrig, die unbescholtene Bürger ganz real überwacht, die aber keinen Beitrag zur Sicherheit bringt.
- Besorgen Sie sich unbedingt Ihre persönliche König-Ludwig-II.-Fan-Grundausstattung fürs Wohnzimmer – zumindest, wenn Sie in Bayern residieren.
P.S.: Sehr schön auch der Schluß des Podcasts. Klar, jemanden der seit 31 Jahren Mitglied der CSU ist, den behandelt man so nicht
.
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Da sieht man’s: würde die Vorratsdatenspeicherung richtig mit den verschiedenen Datenbanken verknüpft, wäre das nicht passiert. Viel wichtiger als die Religionszugehörigkeit ist, dass die Parteizugehörigkeit vermerkt wird!
Was da wohl geprüft wird (oder auch nicht): Das Handy ist auf einen Ludwig registriert, kann natürlich falsch sein. Dann ist an der Adresse auch ein 69-jähriger Ludwig beim Einwohnermeldeamt gemeldet – und der tatsächlich einen etwas unitalienischen Namen trägt. Wenn das geprüft worden ist, geht die Polizei davon aus, dass das Einwohnermeldeamt falschen Daten und falschem Pass aufgesessen ist. Warum muss man Daten sammeln, wenn man die dann eh ignoriert?
Wahrscheinlich ist die Polizei davon ausgegangen dass sie einen 69-jahrigen, im bayerischen Exil lebenden, italienischen Mafia-Paten entdeckt haben. Und das ist ja schon wieder traurig. Was für eine Enttäuschung. Nur ein CSU-Mitglied. Wenn’s jetzt ein Parteif – aber lassen wird das.
Holger hat recht. “Damit wäre das nicht passiert”:http://www.heise.de/newsticker/meldung/94258