Von der E-Mail

Ich kann es nicht mehr hören. “Bankrott der E-Mail”, “Mail-Verstopfung”, “E-Mail-Hölle”. Ein paar Schlagwörter aus aktuellen Diskussionen rund um die gute, alte E-Mail. Offensichtlich hat das Medium E-Mail ein paar Pupertätsprobleme. Aber wieso schimpfen wir auf die E-Mail? Wollen wir wirklich dem Medium die Schuld in die Schuhe schieben?

Alles erledigen wir über E-Mail – egal ob geeignet oder nicht.

E-Mail eignet sich nicht als Ersatz für Chat, E-Mail ist (k)ein aufregendes Werbemedium, E-Mail ist kein sonderlich geschicktes Werkzeug um gemeinsam an Dokumenten zu arbeiten, E-Mail ist keine Brülltüte kein Megaphon, E-Mail ist kein persönliches Gespräch.

E-Mail ist ein Geschäftsbrief, und eine Möglichkeit, sich schnell asynchron abzustimmen.

Löst es unsere Kommunikations- und Effizienzprobleme mit möglichst markigen Headlines das Ende der E-Mail zu beschwören? Nein, es löst die Probleme nicht. Denn:

  • Technik ersetzt keine Methodenkompetenz. Jede die E-Mail ersetzende Technologie wird unter genau den gleichen Sympthomen leiden, wenn sie ohne Methodenkompetenz eingesetzt wird. Ist die Lösung wirklich lediglich ein “auf zum nächsten Roß”? Dann wiederholen wir die gleichen Fehler. Eine wenig effiziente Lösung wie mir scheint.
  • Wer nur einen Hammer hat, für den ist alles ein Nagel. Genauso läuft die Nutzung von E-Mail in der Praxis, siehe oben. Die Zukunft ist ein Kommunikationsmix. Darin wird die E-Mail eine wichtige Rolle als ein Puzzlestein eines Ganzen spielen. Nicht mehr, nicht weniger.
  • One-Stop-Shop. Warum ist E-Mail so beliebt? Sie ist ein Platz, in dem ich möglichst viel meiner Kommunikation abwickeln kann. Ich habe keine Lust, mir für jeden Kontakt zu überlegen, wie ich ihn am besten erreichen kann, auf welcher Plattform oder in welcher Software ich nach den Kontaktdaten suchen muß. Ich habe keine Lust, zig Accounts und Programme zu installieren und zu pflegen. Und wenn ich schon keine Lust habe, dann hat Otto-Normaluser diese erst recht nicht. So lange wir keine sehr überzeugende Lösung haben, so lange werden wir weiter markige Headlines lesen. Suche und ersetze “E-Mail” durch “XYZ”.

E-Mails sind Geschäftsbriefe. Anja Dornheim gewinnt der E-Mail sogar zwei sehr positive Aspekte ab:

“Das Niveau der schriftlichen Kommunikation ist durch die E-Mail eher gestiegen! Wir schreiben heute persönlicher, verständlicher und kürzer. Und noch viel wichtiger: Die schriftliche Kommunikation ist in den letzten Jahren individueller und damit auch ausdrucksstärker geworden. […]
Früher wurde in Unternehmen über Schrift vor allem informiert – heute kommunizieren fast alle Mitarbeiter im Unternehmen vorwiegend schriftlich.”

Ich kann mich mit diesen Gedanken anfreunden.

Vielleicht tun der E-Mail die obigen Headlines sogar gut. Denn wenn der ganze Clutter wegfällt, wenn wir E-Mail für die Dinge einsetzen für die es gut ist, dann gibt es wenig effizienteres. Vielleicht? Ich bin mir sicher. Auf zum sinnvollen Kommunikationsmix –
mit der E-Mail.

Aktueller Stand meiner Inbox: 1 Mail, 1 ungelesen. Jeden Tag auf’s Neue: Mit leerem Posteingang in den Feierabend


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3 Responses to Von der E-Mail

  1. Stephan List says:

    Der Hinweis, dass nicht das Medium, sondern der Benutzer das Problem ist, gefällt mir am besten. In den o.a. Artikeln wird oft der Sack geschlagen, obwohl der Esel gemeint ist. Gruß Stephan List

  2. Ein schöner, plastischer Vergleich :-)

  3. Pingback: E-Mail-freier Freitag - Bringt’s das? - work.innovation Blog

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