Nicht Stress “im Büro”, sondern tatsächlich durch das Büro. Bei Jochen Mai habe ich einen Hinweis auf eine interessante europäische Studie von ICM Research unter 2000 Büroangestellten gefunden. Mit einem Ergebnis, das schade ist:
“60 percent of respondents felt that office layout increased stress levels, with 19 percent feeling it ‘significantly’ increased stress.”
In meinen Projekten begegnen mir immer wieder typische Faktoren, die solchen Streß hervorrufen.
- Unnötige Erschwernisse. Von wegen einfach eine Besprechung einberufen – erst muß mal das Equipement im Haus zusammengetragen werden und irgendwo ein Raum gefunden werden. Mit etwas Glück kennt man jemanden, der jemanden kennt, dessen Nachbar… Hat man das geschafft, begiebt man sich im Besprechungsraum als erstes unter den Tisch um die Ausrüstung zu verkabeln. Heureka.
- Lärmbelastung. Nicht nur in offenen Strukturen, ganz im Gegenteil. Die kann man auch akustisch gut gestalten. 2er- bis 6er-Büros sind häufig schlimmer was den Störfaktor “Lärm” angeht – es gibt kein Grundrauschen, jede Geräuschquelle schlägt sofort durch. Dazu gehört auch der Drucker nebenan der unvermittelt losgeht, oder das Telefon, oder…
- Luftqualität und Klima. Zu öffnende Fenster sind natürlich das Ideal – zumindest wenn man sich im Team einig darüber ist, wann es zieht, wann es warm und wann es kalt ist und, und, und. Zugfreie Klimatisierung und Frischluftzufuhr sind die Herausforderungen, gerade wenn ein Gebäude Sparzwängen unterworfen ist.
- Tristes Ambiente ohne Wohlfühlfaktor. Sei es durch grau-in-grau, alte Ausstattung und abgegriffene Möbel oder durch fehlende Pflanzen. Eigentlich verbringen wir viel zu viel Zeit im Büro um es uns nicht etwas angenehmer zu machen, oder? Unser Arbeitsplatz soll schöner werden.
- Kein gutes Licht. Denn: Licht ist nicht gleich Licht. Ein gutes Beleuchtungskonzept mit Tageslicht, indirekter Raumbeleuchtung und Licht am Arbeitsplatz ist gut für ermüdungsfreies und effizientes Arbeiten.
- Ungeeignete Räumlichkeiten. Auch hier völlig wertfrei. Das gerühmte Einzelbüro ist nur manchmal die richtige Büroform, genauso wie das Gruppenbüro. Es kommt auf den richtigen Büroformen-Mix an, ausgerichtet auf die Tätigkeiten. Es leuchtet ein, dass für kreatives Arbeiten eine andere Umgebung gut ist als für Telefonjobs und für die eine andere als für konzentrierte und vertrauliche Arbeiten. Wie man sich bettet, so liegt man.
- Fehlende Kommunikationsmöglichkeiten. Der Mensch ist nun mal ein Herdentier, Ausnahmen bestätigen die Regel. Warum muß die Kaffeeküche am hintersten Ende des Ganges sein? Warum darf sie nicht gemütlich sein? Dass man dort faul rumlungert und nichts schafft, das ist Schnee von gestern. Und selbst wenn das eine oder andere nicht-berufliche Wort gewechselt wird. Die Menschen werden anschließend viel besser zusammenarbeiten.
- Fehlende Rückzugsmöglichkeiten. Einfach mal 10 Minuten die Augen zu machen, sich auf eine Liege in einem angenehmen Ambiente zurückziehen und die Gedanken rund um eine neue Idee schweifen lassen. Vielleicht sogar mit etwas Musik und Farben? Oder konzentriert etwas lesen, einen Text ohne Störungen schreiben, einfach mal seine Ruhe haben. Und danach geht es wieder zurück ins Team.
Es gibt viele Beispiele, solche und gute. Arbeiten wir dran, dass die guten mehr werden. Denn Büros zu gestalten ist mehr als Schreibtische zu stellen, es ist Organisationsgestaltung und -entwicklung.