E-Mail-freier Freitag – Bringt’s das?

Gerade bin ich während einer kurzen Recherche bei NZZ online über einen interessanten Artikel gestolpert: E-Mail-freier Freitag beim weltgrössten Chiphersteller. Initiative für eine bessere hausinterne Kommunikation. Demnach wollen die Techniker von Intel ihre Freitage künftig unter das Motto “Zero E-Mail” stellen und so zwei Dinge erreichen:

  • Die Konzentration auf die eigentliche Arbeit erhöhen
  • Mit Hilfe persönlicherer Kommunikationswege den Austausch von Ideen fördern

Ein interessanter Ansatz mit zwei äußerst unterstützenswerten Zielen. Aber ist er wirklich hilfreich? Ich glaube nicht, denn:

  1. E-Mail ist an allen Wochentagen nur ein Kommunikationswerkzeug von vielen. Es spricht auch Montag bis Donnerstag nichts dagegen, zum Telefonhörer zu greifen, persönlich bei einem Kollegen vorbei zu laufen oder sich bei einem Kaffee über Ideen zu unterhalten.
  2. Weniger E-Mail ist das Ziel, dafür wieder sehr zielgerichtet eingesetzt. An einem Tag der Woche den Vogel Strauß zu geben, das trägt dazu nur wenig bei.
  3. Wann werden die am Freitag aufgelaufenen E-Mails bearbeitet? Doch nicht etwa am Samstag? Oder ist dann der Montag komplett “vermailt”? Berge werden nicht dadurch kleiner, dass man sie wachsen lässt.
  4. Wäre es nicht klüger, mit sinn- und wirkungsvollen Methoden der Flut zuleibe zu rücken? In der eigenen Inbox und durch richtiges E-Mail-Verhalten in der Firma?

Noch ein weiterer Aspekt: Die Alternativen zur E-Mail kosten ebenfalls Zeit und Arbeit, und das nicht wenig. Sie sind häufig, wie auch die Freitagsalternativen bei Intel, synchron. E-Mail ist ein asynchrones Werkzeug.

Andererseits: Wenn eine Aktion wie der E-Mail-freie Freitag die Sinne für diese Punkte schärft – warum nicht?


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4 Responses to E-Mail-freier Freitag – Bringt’s das?

  1. Man lernt den Umgang mit einem Werkzeug nicht dadurch, dass man es zur Seite legt, sondern indem man es besser und bewusster benutzt.

  2. Dennis says:

    Es ist doch meist so, dass wenn ich sofort das Feedback des Kollegen benötige, dann stehe ich auf und gehe persönlich hin. Brauche ich eben keine sofortige Reaktion, dann greife ich zur Email. Wer bisher lieber eine Email schrieb um etwas mit dem Kollegen zu klären – auch wenn dieser im Zimmer nebenan sitzt – wird sich vielleicht noch die ersten Male die Mühe machen aufzustehen und die paar Schritte zum Arbeitsplatz des Kollegen zu gehen. Aber all zu lange wird das nicht funktionieren, dazu wirkt das ganze auf mich viel zu gezwungen. Der Mensch ist doch viel zu sehr ein Gewohnheitstier und liebt seine Bequemlichkeit. Und auch wenn es hierbei kein explizites Email-Verbot gibt, auf Regeln nach dem Schema “Du darfst das nicht” reagieren doch die meisten mehr oder weniger allergisch.

  3. Bequemlichkeit ist vielleicht ein ganz gutes Stichwort. Vordergündig ist es recht bequem, einfach eine Mail zu schreiben – hinten nach kommt die E-Mail-Flut.

    Es ist bei Intel ja auch nicht komplett verboten, das läßt sich ohnehin nicht durchhalten in dem Moment, in dem man mit Kunden und (externen) Partnern zu tun hat. Dann frägt man sich allerdings, warum der Appell zur sinnvollen Nutzung nur Freitags passiert…

  4. Reka says:

    Die ganze Sache erinnert mich an die Regel, durch die man in einigen Großstädten gegen die Luftverschmutzung kämpfen wollte: am Montag, Mittwoch und Freitag dürfen nur die Autos mit geradem Kennzeichen fahren, am Dienstag, Donnerstag und Samstag nur die Wagen mit ungeradem Kennzeichen.
    Solche Vorschrifte können nur kurzfristige Ergebnisse bringen – falls sie überhaupt Ergebnisse bringen. So werden die Bürger der Stadt / Mitarbeiter der Firma nicht lernen, die zur Verfügung stehenden Mittel (Auto, E-mail oder solche Kleinigkeiten wie “Read receipt” oder das rote Anrufezeichen für die Anweisung der Priorität) vernünftig zu benutzen.

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