Abends an der Hotelbar. Corporate Trust.
Der Tag war anstrengend. Das erste Bier gegen den Durst, das zweite für die schnelle Entspannung und das dritte gegen Unmut, alleine da zu sitzen (wohlgemerkt, wir reden über bayrische Portionen, nicht über rheinländische ;-). Die Nachbarin nebenan ist nett, man kommt ins Gespräch. Berufliches. Je leerer die Gläser und je fortgeschrittener der Abend, desto lockerer wird die Zunge, schnell sind Internas erzählt, gar nicht mal bewußt, die besser ungesagt geblieben wären.
Das ist mindests so ergiebig wie die Fahrt im ICE oder der Wartebereich eines Flughafens. “Social Engineering” ist eine der effizientesten Methoden, um an Geheimnisse heranzukommen.
Eine Studie von Corporate Trust, einer Firma, die ihr Geld mit “business risk & crisis management” verdient, brachte einige Erkenntnisse:
- Fast 19 % aller Unternehmen hatten bereits Fälle von Industriespionage zu verzeichnen
- Nur knapp 34 % der Unternehmen sehen sich gefährdet, obwohl über 80 % attestieren, dass es sich um ein zunehmendes Problem handelt
- Hackerangriffe und der “bewußte Informationsabfluß durch Mitarbeiter” (vulgo: Verrat) sind die häufigsten Formen
- Der am stärksten betroffene Unternehmensbereich ist der Vertrieb. Gefolgt von den Entwicklungsbereichen und der Personalabteilung
- Sachbearbeiter und Facharbeiter sind in über 60 % der Fälle die Opfer, das Management “nur” in 17 % der Fälle
- Das Aushorchen von Mitarbeitern und Gesprächen ist in viel zu vielen Fällen viel zu einfach.
Ein Nebeneffekt moderner nomadisierender Arbeitsformen, sicherlich. Natürlich will man sich austauschen, nicht immer steht ein abgeschiedener oder gar abgeschlossener Raum dafür zur Verfügung. Gerade nach einem anstrengenden Tag, egal ob erfolgreich (dann erst recht) oder nicht, in jedem Fall weg von der Familie, gibt es Kommunikationsbedarf.
Tipps und Verhaltensempfehlungen haben die Experten natürlich auch parat. Neben dem Erstellen eines Informationsschutzkonzeptes, das ist sicher sinnvoll, sind es gerade die kleinen Dinge, die schnellen Erfolg versprechen: Einfach mal die Klappe halten.
Und natürlich vorsichtig mit sensiblen Informationen in Telefongesprächen und aufgeklappten Notebook-Displays umzugehen. Für ersteres hilft ein abgeschiedener Raum, für zweiteres ein Blickschutzfilter, z.B. von 3M. Ich nutze ihn selbst, man hat von vorne betrachtet wirklich kaum Einschränkungen beim Blick auf den Bildschirm. Von der Seite wird der Bildschirm tatsächlich unleserlich bis schwarz.
Eine meiner Lieblingsmethaphern ist die der heißen Herdplatte. Erst wenn man sie einmal berührt hat, wird man vorsichtig. Das mag zwar vielleicht in der Natur des Menschen liegen, ich jedenfalls hätte mir im nachhinein gewünscht, mir die Finger nicht zu verbrennen und ohne Schaden klug zu werden ;-)
P.S.: Die Studie gibt’s kostenlos zum herunterladen via handelsblatt.de
P.P.S.: Nebenbei, ein ganz ähnliches Problem haben die Kaffeeküchen in den Firmen…
Weiterlesen: Datenschutz, Verhaltensweisen, Mobiles Arbeiten, Coworking
Geschrieben von Alexander Greisle am 16. April 2008, Lizenz
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 Ein paar Wochen sind wir nun später rein gekommen - Zeit für ein Zwischenfazit. Interview mit Markus Albers.
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 E-Mail: Stimme im Kopf vs. getipptes Wort
 Vom Ausschalten
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Antworten und Kommentare:
Erwähnung in anderen Blogs bzw. Beiträgen:
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Industriespionage: Zahlen und Fakten im Überblick » Konkurrenzanalyse 2.0 am 17.04.2008 um 16:16 Uhr:
[...] Eine umfassende und sehr interessante Studie hat die Firma Corporate Trust zusammen mit dem Handelsblatt und dem Büro für Angewandte Kriminologie in Hamburg im letzten Jahr erarbeitet, die sich mit den Schäden in der deutschen Wirtschaft sowie der aktuellen Bedrohungslage durch Wirtschafts- und Industriespionage befasst. Gefunden habe ich sie über das sehr lesenswerte work.innovation-Blog von Alexander Greisle, die Studie kann als PDF kostenlos beim Handelsblatt heruntergeladen werden. [...]
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