Sieben Gründe gegen das Arbeiten im Büro hat Markus Albers, der Autor des hervorragenden Buches Morgen komm ich später rein im innovativ.in Blog aufgezählt. Recht hat er, alle sind sie richtig.
Selbstverständlich gibt es genauso sieben Gründe, warum man in einem guten Büro doch vernünftig arbeiten kann.
Ablenkung: Ein großes Problem, die Sägezahnkurve zeigt warum. Nur: Dem Hammer die Schuld dafür geben, wenn man sich auf den Finger haut? Aber es stimmt schon. Viele traditionelle Büros bieten keine Alternative für das konzentrierte Arbeiten. Noch haben viel zu wenige Firmen Elemente wie frei nutzbare Think Tanks (oft auch Cockpits oder Denkerzellen genannt), Rückzugsmöglichkeiten oder stille Orte.
Damit lässt es sich hervorragend im Büro arbeiten und man hat beides zusammen: Den direkten persönlichen Kontakt und das stille, unabgelenkte Arbeiten. Vorausgesetzt, man stellt E-Mail und Telefon auch mal aus…
Wie sagte neulich ein Mitarbeiter eines Kunden: Seit dem ich mich hier ins Cockpit zurückziehen kann, seit dem brauche ich das Home Office noch weniger. Und es soll auch Menschen geben, die das Büroumfeld brauchen, um gut arbeiten zu können.
Meetings: Wir hatten das zu meinen Fraunhofer-Zeiten mal untersucht – Meetings sind nervig, aber es gibt schlimmeres. Die gleiche Untersuchung hat auch gezeigt, dass elektronische Meetings sind deutchlich kürzer sind und nur halb so viel Vor- und Nachbereitungszeit brauchen. Die klare Empfehlung: Verstärkt nutzen. Es sind aber immer noch Meetings, man sitzt nur an einem anderen Ort (und kann unbeobachtet andere Dinge tun).
Alles können Web-Meetings aber nicht ersetzen. Persönliche Treffen haben einen ganz anderen Charakter, bringen informell viel mehr rüber. Wenn sie gut gemacht sind und wenn sie in guten Räumlichkeiten statt finden. Gute Räumlichkeiten? Nicht ermüdend, sondern anregend, nicht spartanisch, sondern komfortabel, nicht nur formell, sondern auch spontan.
Das Ganze mit einem kompetenten Leiter – meinetwegen auch dem Chef, der vorher schon weiß was er will – der die Truppe abholt und zum Ziel führt. Übrigens, gerade wenn man an unterschiedlichen Orten zum Online-Meeting bläst, braucht man einen noch besseren Moderator
Kollegen: Es sind ja nicht alle unmöglich, ein paar nette gibt’s schon. Hoffentlich, sonst ist die Easy Economy auch nur eine bittere Aspirin bei den weiteren Qualen in dieser Firma. Es macht Spaß, sie zu sehen, sich mit ihnen zu unterhalten und im direkten persönlichen Gespräch bei einer Tasse Kaffee Ideen auszutauschen.
Vielleicht bin ich ein Einzelfall, aber in meinen festangestellten Jobs waren es immer genau die Nervigen, die zu keiner Zeit gezögert haben, mich auf dem Handy anzurufen, anzuchatten oder dumme E-Mails zu schreiben. Gerade letzteres ist ja besonders toll. Man ist erst mal auf 180+ und kann sich nicht direkt zur Wehr setzen. Dann doch lieber ein gepflegtes Duell direkt und vor Ort und dann ist wieder Ruhe.
Atmosphäre: Grau, trist, miefig. Wem diese Assoziationen beim Wort “Büro” kommen, der hat wirklich keinen Grund, sich darauf zu freuen. Aber das muß ja nicht so sein. Büros können schön gestaltet sein, offen, kommunikativ, grün, bunt, inspirierend. Wer findet Googles Büros in Zürich nicht toll? Da geht man gerne hin, das kann kein anderer Ort ersetzen – aber ergänzen.
Arbeitsweg: Gegen das CO2-Argument ist kein Kraut gewachsen. Aber muß man eigentlich mit dem Auto fahren? Ich kenne viele Bahn- und ÖPNV-Pendler. Einige von ihnen haben gut verhandelt: Sie bekommen die Bahnfahrt als Arbeitszeit angerechnet – und sie arbeiten tatsächlich, die Gegend kennt man ja nach einer Weile. Möglich macht es eine konsequent zielorientierte Führung – und die ist ja eine Grundvoraussetzung, von der Easy Economy genauso wie von jeder modernen Arbeitsform.
Ausstattung: Richtig, den Großrechner braucht’s heute nicht mehr und wenn doch, dann kann man ihn dank schneller und sicherer Verbindungen auch von Zuhause oder vom Park aus bedienen. Soll man auch tun. Haben Sie schon mal eine Besprechung beim Waldspaziergang gemacht? Sehr empfehlenswert! Jeder kann heute dank ausgereifter Technologien alle Unterlagen und die meisten Werkzeuge immer dabei haben. Wenn Sie aber schon mal einen Teilnehmer einer Web-Konferenz im digitalen Nimmerland verloren haben, dann zeigen sich auch Grenzen. Natürlich erreichen wir Kollegen über die elektronischen Hilfsmittel leichter als vor Ort – vorausgesetzt, sie haben sich Punkt 1 nicht zu Herzen genommen.
Noch was zum Thema Ausstattung: Alles gut, wenn Sie Zuhause auch ein ergonomisches Büro haben. Ansonsten könnten die zwei oder drei Tage im professionell ausgestatteten Büro sogar noch gut für den Rücken sein.
Langeweile: Ganz ehrlich, nichts ist langweiliger als eine Woche im Home Office, selbst wenns durch die Terrasse oder den nahen Ammersee aufgelockert wird. Zumindest nach einer Weile. Natürlich gibt es Jobs wie meinen, viel unterwegs, ständig mit Menschen im Kontakt, da stören ein paar ruhige Tage ganz sicher nicht, im Gegenteil. Die Mischung macht’s. Raus kommen, unter Leute gehen, mit Kolleginnen und Kollegen reden – wie gesagt, sind ja nicht alle ganz unmöglich – ein bischen Herdentier steckt dann doch in uns allen.
Darum ging es Markus aber gar nicht. Es geht um Unterforderung. Die wiederum ist ortsunabhängig. Es fällt nur weniger auf, wenn man die Zeit nicht im Büro abstempelt. Sagen zumindest konservative Führungskräfte.
Fazit: Das eine Tun, das andere nicht lassen. Moderne Arbeitswelten kombinieren die Freiheiten der Easy Economy mit einem gut gemachten Arbeitsplatzmenü im Büro. Ist doch ein interessantes Experiment: Machen wir beides gut und lassen die Mitarbeiter entscheiden, was ihnen taugt.
P.S.: Gerade kam der dritte Teil des Countdowns von Markus Albers: Sechs Argumente, weshalb die Easy Economy für Unternehmen gut ist. Sehr lesenswert, es sind die Gründe, warum sich jedes Unternehmen mit den so genannten “New Work”-Konzepten auseinander setzen sollte.
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Es soll ja auch Leute geben, welche von zu Hause aus ihre arbeit verrichten. Respekt vor diesen Leuten. Ist sicher gemütlicher in den eigenen 4 Wänden zu arbeiten. Glaube aber auch, dass man in einem Büro produktiver ist und außerdem wird man “gezwungen” sein Heim mal zu verlassen.
Ich glaube, dass im Büro arbeiten oder nicht auch eine ganz persönliche Sache ist, so wie es unterscheidliche Lerntypen gibt, gibt es wohl auch unterschiedliche Typen des Arbeitens. Falls man wirklich die Wahl hat, die meisten haben diese ja nicht, ist es wichtig herauszufinden, in welcher Atmosphäre und Umgebung man am ehesten produktiv arbeiten kann.
Alex, das sind alles gute Punkte, und es wäre schön wenn diese Freiheiten, besser gesagt das Anbieten eines “Menüs aus Optionen” auch von vielen Unternehmen erprobt würden. Allein, ich habe da meine Zweifel, die Anwesenheitspflicht im Büro ist ja oft auch ein Ausdruck von “organisatorischer Kontrollitis” und kann auch von einem noch so guten und schönen Büro nicht aufgewogen werden.
Und weil ein ergebnisorientierter Führungsstil und entsprechende Arbeitsstrukturen recht anspruchsvoll sind bin ich sehr gespannt ob Markus’ Buch viele “interessante Experimente” anstoßen wird. Ich hoffe ja schon, aber wie gesagt, ich bin skeptisch.
@Florian und Russel: Diese unterschiedlichen Typen gibt es natürlich. Was aber nicht heißt, dass man das andere nicht auch lernen und schätzen lernen kann.
@Martin: Das ist die berühmte Frage, was zuerst da ist. Die Kultur oder die Umgebung. Hattest Du mir da nicht mal nen Link zu einer Studie o.ä. geschickt? Meine Erfahrung ist schon die, dass man durch entsprechende Projekte, durch die technische und räumlich Gestaltung auch den Kulturwandel in Gang bringen kann. Diejenigen, die sich aktiv darauf einlassen zeigen, dass es einen sehr kurzfristigen Return gibt, schon ganz am Anfang des Prozesses, wenn noch nicht alle Hürden genommen sind. Man darf einfach nicht zu dogmatisch an diese Dinge rangehen.
Es ist eine Idee, die ganz oben Fuß fassen muß – viele Entscheider sehen es inzwischen sehr wohl, dass Arbeitsinhalte und Arbeitweisen nicht mehr zusammenpassen – und dann unten bei den Mitarbeitern meistens mehr positive Reaktionen hervorbringt, als man das anfänglich vermutet hätte. Vielleicht kann das Buch ja dazu einen Beitrag leisten.
@Alex ja, habe ich – vermutlich sprechen wir ja von diesem hier http://is.gd/2aKg
Versteh mich bitte nicht falsch, auch ich sehe die Potenziale, insbesondere verstehe ich ja Social Software und Enterprise 2.0 als “Vehikel” für die Umsetzung von Wandel im Unternehmen. Ich bin dabei auch ganz bestimmt kein Freund von “abwarten bis die Kultur so weit ist” – das kann man nämlich immer (bis die “digital natives” ins Unternehmen kommen, bis der Wettbewerb das auch macht, bis die IT-Systeme perfekt sind, usw.). Es ist an der Zeit Arbeitsprozesse und -infrastrukturen auf den Prüfstand zu stellen und (undogmatisch) zu überdenken.
Zwar ist das Thema bisher nur ein Punkt unter vielen auf der GF-Agenda, aber vielleicht kann ja gerade dieses Buch etwas dazu beitragen, dass das ganze an Fahrt gewinnt. Ein paar wunde Punkte in der heutigen Arbeitswelt hat Markus Albers ja scheint’s getroffen, allein danach zu urteilen wieviel Echo mittlerweile entstanden ist (bspw. im Vergleich zu “Wir nennen es Arbeit”).
Hmm, eins noch -das größere Echo auf Markus Albers’ Buch rührt sicher auch daher, dass er eine viel größere Zielgruppe anspricht – unzufriedene Angestellte, ein Millionenmarkt
Man muß ja auch sagen, dass er das Marketing schon gut macht. Dein letzter Punkt ist meine Befürchtung. Nämlich dass durch diesen “unzufriedene Mitarbeiter”-Effekt das ganze ein “Gschmäckle” bekommt, das der Sache nicht zuträglich ist.
Das Buch ist schon gut recherchiert und zeigt, dass es ganz praktisch funktioniert, gerade auch hier bei uns. Und das nicht nur wegen der unzufriedenen Mitarbeiter, diese Konzepte haben schlicht einen enormen Nutzen. Ich mag da ja Werkzeugvergleiche, denn letztlich ist die gesamte Büro- und Arbeitsumgebung für Wissensarbeiter nichts anderes. Und viele der derzeitigen Büros erinnern eher an einen Handbohrer als an eine moderne Schlagbohrmaschine…
@Martin: Den auch, eigentlich aber den: http://is.gd/2aSY
@Alex ja, man muss da ziemlich aufpassen, dass man nicht “überreizt” – deshalb habe ich auch sehr auf das Smiley geachtet. Es ist ja nicht so, dass die Revolution der entrechteten Angestellten ansteht.
Und es wäre in der Tat schade wenn die Anregungen und Ideen untergehen würden, umso mehr wenn Phänomene wie Präsentismus oder übertriebene, ziellose Schein-Produktivität doch Realität sind (übrigens, hier passt auch das Buch von Corinne Maier “Bonjour Paresse” gut dazu – zumindest in Frankreich hat das für ziemlich viel Wirbel gesorgt …).
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Verallgemeinern kann man das Thema sicherlich nicht. Wenn ein Büro optimal auf die Bedürfnisse des dort arbeitenden Menschen abgestimmt ist, wird dieser dort auch gut arbeiten können.
In vielen Büros hat sich leider noch nicht einmal die Erkenntnis durchgesetzt, dass dort überhaupt Menschen arbeiten.
Gerhard Zirkel
*Der überaus gut in seinem Büro arbeiten kann*
Das ist glaube ich letztendlich eine Typfrage ob man eher im Büro oder von zuhause aus arbeiten kann. Ich denke eine Mischung aus ein bis zwei Tagen Heimarbeit und den Rest der Woche im Büro wäre die beste Möglichkeit dem Abhilfe zu schaffen.
… ich habe lange in grossraumbüros gearbeitet und fand es grässlich. lieber ein büroraum für einen mitarbeiter, dann kann man auch in ruhe arbeiten. ansonsten kann ich mich echt nicht konzentrieren. die ablenkung ist bei grossraumbüros einfach zu extrem. immer nur gelabere, kaffee trinken, geburtstag feiern, einstand feiern, ausstand feiern, pause, mittagessen, laberecke, etc., etc.. da kann man doch nicht arbeiten !
Hallo,
ich bin Student und schreibe gerade meine Bachelorarbeit. Ich habe festgestellt, dass ich am besten nachts arbeiten kann. Tagsüber schlafe ich dann einfach ein bisschen. So bin ich nicht abgelenkt und arbeite viel effektiver. Empfehle ich jedem!
Viele Grüße
[Edit: Ein Student, der auf Treppenlifte (spam)verlinkt. Das nenne ich mal degeneriert.]