brainfloor.com ist eine Plattform, in der Online Ideen zu veröffentlichten Fragestellungen gesponnen werden können. In der Umsetzung verfolgt “The Idea Lounge” einige spannende Ansätze. Noch so eine Plattform? Mit brainr und jisty gibt es bereits seit längerer Zeit (und immer noch) interessante Tools für das Online-Brainstorming.
Im Gegensatz zu den beiden letztgenannten ist brainfloor.com für die Ideensuchenden nicht kostenlos und verfolgt auch sonst ein paar andere Ansätze. Nicht unbedingt zum Nachteil des Kreativitätsprozesses, wie ich finde.
Ich hatte die Gelegenheit, einem der beiden Gründer von brainfloor einige Frage zu stellen. Hier die, natürlich ungekürzten, Antworten:
Alexander Greisle: Herr Karner, Sie bieten mit brainfloor.com – The Idea Lounge ein Portal, mit dessen Hilfe insbesondere Unternehmen neue Ideen zu ihren Fragestellungen erhalten können. Was hat Sie auf diese Idee gebracht?
Reinhard Karner: Mein Partner Marcus Berthold und ich beschäftigen uns seit 8 Jahren professionell mit der Entwicklung von Ideen für Produkte und/oder Dienstleistungen für Unternehmen. Unsere Erfahrungen haben wir in rund 250 moderierten Ideenworkshops gesammelt und dürfen uns daher ohne Übertreibung als Profis im Ideenmanagement bezeichnen. Unter unseren Kunden sind namhafte Unternehmen wie Adidas, Bizerba, Eurocopter, Fraunhofer Institut, Wrigleys, Zürich Versicherung, …
Aus unseren Erfahrungen hat sich herauskristallisiert, dass die Entwicklung von Innovationen ähnlich dem Lotto-Spiel ist. Je größer die Anzahl der Kästchen die angekreuzt werden, desto größer die Chance auf einen Treffer. Gleich ist es bei der Entwicklung von Innovationen. Je mehr Ideenimpulse geliefert werden, desto höher ist die Chance, dass innovative Ideen dabei sind.
Das Internet ist mit Millionen kreativen Menschen die ideale Plattform für den Megatrend Open Innovation.
Alexander Greisle: Ähnliche Werkzeuge gibt es beispielsweise mit brainr und jisty auch anonym ohne Anmeldung. Welches Ziel verfolgen Sie mit Ihrem abweichenden Ansatz?
Reinhard Karner: Eine Idee soll auch honoriert werden! Deshalb werden unsere Ideengeber für Ihre Ideen mit BrainChips honoriert. Diese kann man dann in Geld eintauschen und auf sein Bankkonto überweisen lassen. Zudem bietet brainfloor.com die Möglichkeit, dass Ideengeber und Ideensucher miteinander kommunizieren. brainfloor.com ist auch ein Netzwerk für ideenreiche Köpfe!
Alexander Greisle: Neben der Belohnung der Ideengeber über Brainchips: Beobachten Sie auch ideelle Aspekte? Und wie funktioniert das Honorierungssystem?
Reinhard Karner: An erster Stelle für unsere Ideengeber sehen wir den ideellen Anreiz als BestBrain – das bedeutet die beste Idee für eine Fragestellung geliefert zu haben – publiziert zu werden. Diesen Aspekt werden wir in der im Frühsommer 2009 erscheinenden Version verstärkt berücksichtigen.
Ein weiterer Motivationstreiber ist sicherlich die Honorierung für abgegebene Ideen. Noch im Herbst werden wir auf das neue Honorierungssystem umschalten. 60-60-60 das bedeutet in 60 min. 60 Ideen abgeben und 60 Euro verdienen. Wir zahlen dann pro positiv bewerteter Idee einen Euro. Zusätzlich werden dann jeweils die besten drei Ideen umsatzabhängig finanziell honoriert.
Alexander Greisle: Wechseln wir mal die Blickrichtung: Wenn ich als Unternehmen bei Ihnen Ideen generieren will, wie muss ich dazu vorgehen und was kostet mich das Ganze?
Reinhard Karner: Zuerst informieren unsere Innovationsberater unsere Kunden über die Funktionsweise und die Möglichkeiten einer Ideen Lounge. Wir unterstützen aktiv bei der Auswahl der Fragestellungen und der optimalen Formulierung für einen größtmöglichen Erfolg. Dann legt der Ideensucher die gewünschte Anzahl von Ideen pro Fragestellung fest. Jede Idee ist eine Investition von Euro 5. Die Kosten sind also im Vorfeld genau definiert.
Wir haben ein ausgeklügeltes Evaluierungstool entwickelt, das es den Unternehmen ermöglicht effizient und effektiv die beste Idee herauszufiltern. Unter anderem kann der BrainUser bis zu neun weitere Bewerter bestimmen.
Wenn die gewünschte Anzahl von Ideen eingegangen ist, können Sie Ihre Ideen zur weiteren Verwendung als Excel-Datei exportieren.
Alexander Greisle: Laufe ich als Unternehmen nicht Gefahr, dass die Konkurrenz spickt und die für mich generierten Ideen abschreibt?
Reinhard Karner: Genau hier ist brainfloor.com einzigartig und allen am Markt befindlichen Mitbewerbern überlegen. In der Ideen Lounge können eingegebene Ideen nur vom BrainUser (Ideensucher) gelesen und bewertet werden. Ideenklau ist somit ausgeschlossen und das Geld sicher investiert.
Alexander Greisle: Gibt es eigentlich Probleme mit der Qualität der Ideen, etwa im Sinne von Wiederholungen oder “Banalitäten”?
Reinhard Karner: Die Qualität der bisher abgegebenen Ideen ist laut Aussage der Ideensucher verblüffend hoch. Ein Qualitätsindex der Ideengeber sorgt zusätzlich für ein hohes Niveau.
Anders sehen wir Ihre Frage bezüglich Wiederholungen. Nachdem wir wissen, dass Ideen meist aus Bedürfnissen entstehen, sehen wir Wiederholungen als klare Aufforderung an den Ideensucher, diese Idee ehestens umzusetzen.
Alexander Greisle: Eine andere Frage: Im Moment leben wir in einer wirtschaftlich turbulenten Zeit. Wie bewerten Sie den Nutzen von Online-Brainstormingportalen in der Finanz- und Wirtschaftskrise? Haben wir da nicht andere Probleme als Ideen zu spinnen?
Reinhard Karner: Gerade jetzt ist es für Unternehmen wichtig, Innovationen auf dem Markt zu platzieren. Mit Innovationen haben Unternehmen Alleinstellungsmerkmale inne und unterliegen nicht mehr dem Problem der Vergleichbarkeit, wie es beim Preis immer der Fall ist.
Alexander Greisle: Danke für diese Aussage, Herr Karner, das sehe ich ganz genauso. Eine abschließende Frage: Als junges Web-Startup, wo sehen Sie die wesentlichen Faktoren für Ihren bisherigen Erfolg und was sind die Tipps und Ideen, die Sie anderen Web-Unternehmern mit auf den Weg geben würden?
Reinhard Karner: Mein Partner Marcus Berthold und ich sind davon überzeugt, dass es bei der erfolgreichen Umsetzung von Projekten primär darum geht, eine Vision zu haben und die gesetzten Ziele konsequent und nachdrücklich zu verfolgen. Das ist in der Startphase nicht immer einfach – in unserem Fall haben wir den Vorteil, dass uns auch privat eine wertvolle Freundschaft verbindet. Das motiviert und schafft Ausdauer.
Alexander Greisle: Herr Karner, danke für die interessanten Einblicke in brainfloor.com. Gute Ideen gibt es viele, offene Fragen genauso. Ich wünsche Ihnen weiter viel Erfolg beim Zusammenführen.
Weiterlesen: Ideenmanagement, Social Internet
Geschrieben von Alexander Greisle am 27. Oktober 2008, Lizenz
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