Rohrkrepierer: Alte Ideen gegen moderne Medienkultur

Was wohl mit den traditionellen Medien passiert, wenn Google sie aus den Trefferlisten streicht oder nach hinten verbannt? Was wohl mit Spiegel und Co. passiert, wenn sie in der Onlinediskussion der digitalen Generationen nicht mehr berücksichtigt werden?

Hubert Burda fordert in der FAZ ein neues Leistungsschutzrecht für Verlage: Wir werden schleichend enteignet.

Würde ich jetzt aus eben jenem Artikel zitieren, dann könnte nach den Vorstellungen von Herrn Burda vielleicht schon aus dem reinen Zitat eine kommerzielle Nutzung und damit eine Zahlungsverpflichtung entstehen. In bester alter Tradition sollte es dafür natürlich auch eine Art Gema geben. Mit diesem Leistungsschutzrecht, so die Idee, würden die Leistungen der Schaffenden und natürlich die wirtschaftlichen Interessen der Verlage und Medienunternehmen besser gewürdigt.

Das kann man so sehen. Ich wage aber zu bezweifeln, dass Herr Burda damit das erreichen würde, was er will. Warum?

  1. Es würden im Netz noch schneller neue substituierende Angebote entstehen. Diese Entwicklung läuft ohnehin schon, sie würde beschleunigt.
  2. Digitale Generationen lesen ohnehin kaum noch Zeitungen und auch TV ist out. Die Konsequenz: Wenn sich beide durch Leistungsschutzrechte im Internet selbst aussperren, dann verschwinden sie komplett aus der Wahrnehmung der potenziellen Kunden. Ob das eine kluge unternehmerische Strategie ist?

Natürlich sind das unsichere, meinungsgeprägte Prognosen. Über deren Wahrscheinlichkeit haben Sie sicher eine eigene Meinung. Sollten diese so oder so ähnlich eintreten, dann allerdings wären die Ideen von Herrn Burda grandiose Rohrkrepierer.

—–
Weitere lesenswerte Meinungen dazu bei BWL 2.0, Perlentaucher und medial digital.


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3 Responses to Rohrkrepierer: Alte Ideen gegen moderne Medienkultur

  1. Frank Hamm says:

    Als Hubert Burdas Artikel veröffentlicht wurde habe ich ihn bereits auf Twitter kommentiert:

    “Ich kenne Twitter und Google, aber wer sind Hubert und Burda?”

    Genau das wird geschehen, wenn derartige für mich abstruse Forderungen wahr gemacht würden: Der digitale Nachrichtenstrom würde Hubert Burda ignorieren und ihn mit der Zeit vergessen, denn er wäre nicht mehr relevant… für viele ist er es sowieso nicht mehr…

    Andererseits frage ich mich, ob Hubert Burda nicht selbst höhere Abgaben leisten müsste, als er selbst empfangen würde :-)

  2. Anne says:

    Lieber Alexander,

    vielleicht hast du die Bestrebungen deine aufgeführtes Verwertungssystem GEMA in die Schranken zu weisen nicht verfolgt… noch ist bis 17.7.09 Zeit, dort eine nachvollziehbare Abrechnungsmethode einzufordern.

    Es würde mich freuen, wenn sich daran noch mehr Menschen beteiligen, die vielleicht selbst nicht im direkten Kampf zur Gema stehen. Wer mehr erfahren möchte findet unter http://www.anne-art.com/blog/?p=798 mehr zum Thema.

    Im Übrigen bin ich als Journalistin durchaus der Meinung, dass das Urheberrecht auch im Internet schützenswert ist…. allerdings sehe ich die Diskrepanz zwischen der Onlineverwertung (und den Zweit/Dritt/Viert/X-verwertungsrechten) durch Verlage und durch die wirklichen Urheber – nämlich uns. Wenn du dir die Verträge ansiehst, mit denen gerade auch freie Journalisten diese Verwertungsrechte abtreten (müssen) graust es dir….

    Grüße
    Anne

  3. Liebe Anne,

    sehe das mit dem Urheberrecht ganz genauso wie Du. Klar ist es schützenswert. Die Frage ist nur: wie? Da zählt auch die Frage der Verwertungsrechte (ich kenne solche Verträge auch zur Genüge…) und natürlich die der Business-Modelle.

    Meine These ist nur: Jede Art von Zwangsbeglückung, insbesonde solch abstruse Ideen wie die von Burda geäusserte, führen zum Gegenteil des Beabsichtigten. Wie Frank sagt: Der digitale Nachrichtenstrom würde Autoren ignorieren, sie wären über kurz oder lang nicht mehr relevant. Und das kann ja wirklich nicht die Lösung sein, oder?

    Auch für das GEMA-Thema wäre es meiner Meinung nach spannend, über die Ausgestaltung einer medien- und verbreitungskanalübergreifenden Kultur-Flatrate nachzudenken. Auf der anderen Seite brauchen wir sicher auch neue Ideen für die Business Modelle von Medienschaffenden.

    Beste Grüße,
    Alexander

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