Zeitmanagement: Tipps, die ich so nicht geben würde

Vielleicht ist es Ihnen als regelmäßiger Leser dieses Magazins schon aufgefallen: Ich habe so meine Probleme mit dem einen oder anderen pauschalen Tipp zum Zeitmanagement. Beispiele? Hier kommen einige Ratschläge, die ich so nicht geben würde:

Never Check E-Mails in the Morning

Nicht nur ein Titel eines (guten) Buches zum persönlichen Informationsmanagement, auch ein gerne genommener Ratschlag. Grundsätzlich befolgenswert, aber nicht in seiner Absolutheit.Wenn es Ihr Job ist, andere zu koordineren oder mit internationalen Partnern zu arbeiten, dann können die Morgenmails wichtig für die Tagesplanung sein. Warum sie also nicht gleich durchscannen? Man muß ja nicht jede sofort bearbeiten, sondern vertraut sie seinem E-Mail-Wiedervorlage-System an.

Erledigen Sie den Scheiß zuerst

Ganz ehrlich, mir ist meine Motivation und mein Drive am Morgen zu schade, um beides an Scheiß zu verschwenden. Deshalb kommt zuerst das Wichtigste des Tages. Es motiviert viel mehr, wenn die wichtigen Dinge voran gebracht wurden. Der Scheiß hat Zeit – außer er ist das Wichtigste des Tages.

Aufschieben (neudeutsch: Prokrastination) ist böse

Auch das Aufschieben hat durchaus etwas positives, wenn man es bewußt macht: Die Gedanken reifen, die Ergebnisse werden besser. Das bedeutet nicht das Aufschieben bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag, sondern bis zu dem Zeitpunkt wo es sein muß. Manchmal arbeitets es sich mit Zeitdruck tatsächlich schneller, man vertändelt nicht so viel Zeit.

Neverending Story: Die 80/20-Regel

Die Regel als solche ist schon ok, sie wird aber oft so falsch interpretiert, dass es schon weh tut, vor allem in der implizierten Allgemeingültigkeit. Was hat das Volksvermögen in Italien Ende des 19. Jahrhunderts mit Ihrem Zeitmanagement zu tun? Heißen Sie Berlusconi?

Der Tipp “Seien Sie nicht perfektionistisch, erledigen Sie die Dinge zu 80 %, das reicht meistens” ist nicht zielführend. Warum? Es ist Selbstbetrug. Letztlich müssten Sie vorher sicherstellen, dass die 80 % des Auftraggebers die 80 % sind, die Sie leisten möchten oder werden. Sonst gibts Ärger. Und wenn die beiden 80 % übereinstimmen, dann sind sie doch eigentlich vernünftig definierte 100 %, oder? Das Gleiche gilt übrigens für die Zielvereinbarungen mit sich selbst…

Wenn Sie das Pareto-Prinzip so interpretieren, dass Sie 80 % der zu erledigenden Dinge in 20 % der Zeit schaffen und Sie das zu noch effizienterem Arbeiten motiviert, dann sind Sie auf dem richtigen Weg.

Jemand sagte mal, einiges davon hört sich doch sehr nach lustbetontem Arbeiten an. Ja, tatsächlich, kann sein. Ist doch schön, wenn Arbeit Spaß macht, oder?


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4 Responses to Zeitmanagement: Tipps, die ich so nicht geben würde

  1. Tanja Handl says:

    Wenn Arbeit Spaß macht, ist das tatsächlich schön.
    Die Regel “Den Scheiß zuerst” hatten auch wir erst letztens in einem Blogartikel zum Thema Produktivität, und ich muss dir mit deiner Sichtweise recht geben. Allerdings habe ich persönlich die Erfahrung gemacht: Der Scheiß ist leider meist auch das Wichtigste. ;)

  2. Der Scheiß als das Wichtigste? Oder nicht doch eher “nur” das Dringendste? Das Wichtigste sind die Dinge, die Themen, Projekte oder einen selber weiterbringen. Wenn dabei überwiegend “Scheiß” die Top-Priorität hat, würde ich dazu raten, die Dinge, Themen, Projekte und auch sich selbst (und die Einstellung) zu überdenken.

    P.S.: Danke für die vielen Kommentare, Tanja. Freut mich.

  3. Tanja Handl says:

    Ist natürlich ein krasses Wort… Haben wir selbst auch im Artikel dann nicht so genannt. Ich persönlich würde sagen: Das Herausfordernde, Anstrengende ist oft das Wichtigste. Und solche Aufgaben anzugehen, kann natürlich auch mit Ängsten verbunden sein, die dann dazu führen, dass man sagt: “Das ist das Schlimmste.” Weiterentwicklung ist nicht immer mit Positivem verbunden, sie kann auch Überwindung kosten. Wichtig ist, dass man sich diesen Blockaden stellt und die Aufgabe trotzdem angeht.

  4. Stefan says:

    Nett geschrieben – und auch so wahr – ist es nicht häufig so, dass das was man oft machen muss, natürlich auch das Wichtigste ist – einem aber das am ehesten interessiert, womit man am wenigsten zu tun hat….

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