Vor etwa eineinhalb Jahren hatte ich hier im Blog schon mal eine Vision skizziert, den Personal Communicator als zentrale Instanz des Online-Lebens.
Inzwischen gibt es mit Mozilla Raindrop, Google Wave, Pio.io oder auch mit der Aggregation innerhalb von Facebook verschiedene Ansätze auf dem Weg dorthin. Gerade erreicht mich die Frage, was ich denn von all diesen Diensten halte.
Kurze Antwort: Viel.
Das Arbeitsleben ist heute ein virtuoses Spiel mit den unterschiedlichen synchronen und asynchronen Kommunikationsmedien, online und offline. Das ist anstrengend und verwirrend, weshalb viele immer noch E-Mail für alles nutzen.
Eine Art “Personal Communicator (PC)” ist deshalb eine sehr hilfreiche und wünschenswerte Sache: Alle Kommunikationskanäle laufen in diesem Werkzeug zusammen. Es hat alle notwendigen Verwaltungswerkzeuge um die ein- und ausgehenden Informationen zu kanalisieren und zu filtern. Idealerweise berücksichtigt ein solches Werkzeug den Onlinestatus und den Arbeitskontext der Kommunikationspartner.
Beispiel: Ist der Absender einer Mail gerade in Skype online, dann könnte das Tool anstelle einer Antwortmail automatisch eine Skype-Chatnachricht abschicken, sofern der Empfänger für den aktuellen Arbeitskontext zugelassen hat. So werden die typischen langen E-Mail-Kaskaden vermieden und beispielsweise kurze Nachfragen sind direkt und persönlich möglich. Das wäre eine deutliche Effizienzsteigerung und reduziert gleichzeitig die E-Mail-Fluten.
Anderes Beispiel: Ein automatischer Interessenfilter des Tools fischt eine für mich spannende Nachricht aus dem Web 2.0 und zeigt sie mir symbolisch oder farblich gekennzeichnet im Eingangsfach des Personal Communicator an. Eine Menge Such- und Beobachtungsarbeit würde mir so abgenommen, ich bräuchte keinen RSS-Reader und keinen speziellen Twitterclient, keine eigene Facebook- und Xing-Seite mehr. Eine enorme Arbeitserleichterung. Zusätzlich bietet der “PC” natürlich Kommentarfunktionen und die Kontaktaufnahme (natürlich wieder den Status des Gegenüber berücksichtigend) an, die sinnvollen “next actions” passend zur Meldung sozusagen.
Ich bin überzeugt, dass die unterschiedlichen Kommunikationskanäle nicht einfach so verschwinden werden. Sie haben zu unterschiedliche Stärken und Schwächen, auch wenn wir das bei E-Mail oft genug vergessen. Ein einfaches Zusammenspiel der Werkzeuge existiert nicht bzw. ist für die Masse der Anwender nicht einfach genug. Obwohl wir alle über E-Mail-Fluten jammern, machen wir doch nichts anders. Die Werkzeuge sind sehr in den Arbeitskulturen der jeweiligen Generationen verankert, Verhaltensweisen antrainiert.
Gerade deshalb: Raindrop, Wave und Pip.io haben das Zeug dazu, ein Dach über allen Kommunikationskanälen zu sein und so – wer weiß – auch das Kommunikationsverhalten zu verändern. Neben den Hard Facts, den tollen neuen Möglichkeiten, wird es erfolgsentscheidend sein, wie gut die Tools Brücken bauen zwischen dem alten, bekannten und den kombinierten neuen Möglichkeiten.