Wird E-Mail die zentrale Instanz des Online-Lebens? Das fragt sich Klaus Eck im PR Blogger. Ich denke, dass E-Mail das nicht leisten kann.
Persönlich orientiere ich mich bei den Kommunikationskanälen an den Bedürfnissen meiner Kunden. Damit ist E-Mail und Telefon immer noch das am häufigsten genutzte Werkzeug. Aber das ändert sich. Instant Messaging und Web-Conferencing kommt immer häufiger zum Einsatz. In einigen meiner persönlichen Netzwerke sind eher Xing, Twitter (ja, es ist inszwischen mehr als ein Spielzeug) oder auch Blogs und eher selten Wikis die häufiger genutzten Kommunikationsformen.
Die Anzahl der Kommunikationskanäle wächst. Einer davon ist E-Mail, mit all den bekannten Problemen. Trotzdem: Die Alternative zu E-Mail ist nicht “keine E-Mail”. Denn es geht bei dem Problem nicht um das Werkzeug, sondern um den generellen Umgang mit der Informations- und Medienvielfalt.
“werden einfach in der Verwaltung der überflüssigen Texte und Spamfilter besser?” (Klaus Eck)
Ja und nein. Ich möchte das gar nicht auf das Medium E-Mail beschränken. Entwickeln wir unsere Kompetenzen im Umgang mit der Informationsvielfalt und der Vielfalt an Kommunikationskanälen nicht weiter, dann geht es uns mit jedem anderen Medium genauso wie wir es jetzt bei der E-Mail beklagen.
Eine Aufsplittung der Kommunikationswege macht sicher Sinn, Best-of-Breed-Ansatz. Das ist aber nicht das Allheilmittel, denn es erhöht die Komplexität und den Aufwand.
Mich nervt es ziemlich, dass ich beispielsweise auf eine Xing-Nachricht nicht via E-Mail antworten kann, also über den Kanal, über den mich die Mitteilung über eine Xing-Nachricht erreicht). Nein, ich muß den Kommunikationskanal wechseln – ohne dass dieser besser geeignet wäre. Lästig und zeitraubend, denn es ist ja nicht nur Xing. Es sind einige andere Dienste, bei denen es genauso ist.
Im Moment ist die Anbindung der Dienste zueinander One-Way. Das bedingt einen Wechsel der Kommunikationskänale.
- Warum kann ich keine E-Mail als Antwort in das Xing-System schicken?
- Warum kann ich mich bei einer späteren Antwort auf eine Chat-Kommunikation im Web-Conferencing-System nicht per Mausklick (und nicht über aufwändiges Copy-Paste, sofern ich ans Speichern gedacht habe) im E-Mail oder Skype beziehen?
- Warum erkennt ein System nicht anhand einer Nachrichten- und bisherigen Kommunikationscharakteristik, dass Instant Messaging der bessere Kanal wäre und berücksichtig bei dieser Entscheidung gleich den Erreichbarkeitsstatus der Kommunikationspartner? Natürlich darf es mich vorher fragen, wenn ich das möchte.
Ein bewusstes Channel-Management spricht Klaus Eck an, damit hat er recht. Im Moment ist das ein wichtiger Punkt des Selbstmanagement, zumindest bei denjenigen, die sich mit vielen neuen Kommunikationstechniken auseinandersetzen. Otto-Normaluser hat daran keinen Spaß, muß er auch nicht. Er bleibt beim E-Mail, denn der Channel-Mix ist zu aufwändig und zu kompliziert.
Ich stelle mir für die Zukunft eher eine Art Meta-Informationsportal oder “Kommunikationsaggregator” vor, bei dem ich mich um die richtige Zuordnung der Kommunikationskanäle gar nicht bewußt kümmern muß. Kann, aber nicht muß. Eine Art “Personal Communicator”, der das Channel-Management für mich erledigt. Der dafür sorgt, dass ich mich auf die Inhalte der Kommunikation konzentrieren kann und auf deren (für mich passende) Organisation. Mit dem ganzen Technikkram will ich mich gar nicht herumplagen.
E-Mail wird das meiner Meinung nach nicht sein.