Forschung und Entwicklung findet künftig immer weniger in den stillen (Unternehmens-)Kämmerleins statt. Dieser Trend hört auf den Namen “Open Innovation” und bedeutet letztlich, dass sich Unternehmen im Innovationsprozess verstärkt nach aussen öffnen.
Vor allem Kunden – für die das Neue ja gemacht wird – aber auch Lieferanten und Kooperationspartner bringen in diesem Prozess ihr Wissen und ihre Erfahrungen und Erwartungen auf einem sehr direkten Weg ein. Open Innovation bedeutet also primär Kommunikation und die effiziente Weiterverarbeitung der dadurch gewonnenen Impulse.
Als typisches Beispiel wird gerne die Open Source-Initiative angeführt. Dabei handelt es sich um ein völlig offenes Konzept zur Entwicklung von Software, jeder kann sich beteiligen. Ein Beispiel dafür ist die Entwicklung des Windows-Konkurrenten Linux, der inzwischen immer häufiger auch im kommerziellen Umfeld eingesetzt wird. Abgesehen davon gibt es im Unternehmensumfeld viele Beispiele von Ansätzen, die dem Konzept der Open Innovation folgen. Nicht alle werden so genannt und nicht wenige gibt es schon länger als den Begriff.
Vor einiger Zeit hatte ich hier im Blog schon mal das Beispiel des Gardena Lenkrasenmähers kurz skizziert. Gemeinsam mit einem engen Kundenkreis wurde das Produkt von der Idee bis zur Serienreife entwickelt. Ein anderes Beispiel ist die Firma Topographic die sehr aktiv im Dialog mit (poteniziellen) Kunden und Partnern ist und diese Anregungen schnell und pragmatisch in die eigenen Produkte integriert. Zwei Beispiele die zeigen, dass Open Innovation nicht nur für die Großen eine interessante Option ist.
Warum ist das eine interessante Option? Dazu komme ich gleich. Zunächst mal sollen die kritischen Aspekte nicht vernächlässigt werden:
Natürlich gibt es auch Schattenseiten. Ein gewisser Kontrollverlust geht auf den ersten Blick mit Open Innovation einher. Nur: In welchem Innovationsprojekt hat man schon die Kontrolle? Die hohen Flop-Zahlen sprechen eine andere Sprache. Die Herausforderung ist vielmehr, diesen beschriebenen Kommunikationsprozess gut zu gestalten und zu moderieren.
Negative Kommentare können bei falscher Behandlung sicher auch problematisch sein. Andererseits bringen gerade diese die wertvollen Impulse und helfen, die richtigen Argumentationen aufzubauen. Die Konkurrenz kann natürlich spionieren kommen. Das ist wohl die grösste Gefahr. Zum Open Innovation-Konzept gehören in jedem Fall detaillierte Überlegungen dazu, ob und welche Auswirkungen dieser Fakt wirklich haben kann, wie man generell damit umgeht und wie man den Innovationsprozess entsprechend gestaltet. Vielleicht sind die Konkurrenten aber auch für bestimmte Geschäftsfelder ideale, ergänzende Kooperationspartner?
Nicht zu vergessen: Mitarbeitern verlangt das Konzept der Open Innovation ebenfalls einiges ab. Nicht jeder technikverliebte Entwickler wird es gerne sehen, wenn ihm plötzlich eine Menge Leute reinquatscht. Entsprechend ist bei der Einführung von Open Innovation-Gedanken der Aspekt des Change Mangement nicht zu vernachlässigen.
Die Weltöffentlichkeit in Form des Internet, zum Beispiel in Form eines Weblog oder durch aktive Präsenz in Fachforen, ist nur eine Ausgestaltungsmöglichkeit. Gezielte Kooperationen, teilöffentliche Kunden- und Lieferantennetzwerke, spezielle Events sind beispielhafte weitere Ansätze. Die Möglichkeiten zu Open Innovation sind vielfältig. Und es gibt gewichtige Argumente pro Open Innovation:
- Ein enger Kundenkontakt entsteht, die guten Kunden werden enger ans Unternehmen gebunden. Diese Kunden wiederum sind die besten Multiplikatoren.
- Risikominimierung durch die Vielfalt der Impulse (von Kunden, Lieferanten, Kooperationspartnern, Branchenfremden, etc.). Es fließen viele Aspekte mit ein, die mit der die Sicht behindernden Unternehmensbrille aussen vor geblieben währen. Dadurch wird das Ergebnis besser.
- Was wiederum Flop-Minimierung bedeutet. Weniger Flops bedeuten automatisch weniger Kosten.
- Die Kunden haben mitentwickelt. Damit steigt die Chance, dass deren Bedürfnisse getroffen wurden rapide. Das wird sich in den Absatzzahlen bemerkbar machen. Kombiniert mit den gerade angesprochenen sinkenden Kosten eine interessante Konstellation.
- Und eventuell wird Innovation und Kreativität durch diese Offenheit ja zum Zusatzgeschäft?
Das funktioniert, weil auch die Kunden profitieren. Zum einen wird jeder gerne um seine Meinung gefragt und fühlt sich wert geschätzt, wenn man ihn fragt. Zum anderen erhalten die Kunden passgenaue Lösungen. Bauch und Kopf, quasi.
Ergo: Überlegen lohnt in jedem Fall, anfangen auch.